Stiller Reflux im Urlaub
Shownotes
Es lief monatelang gut. Dann zwei Tage Urlaub - und der Kloß im Hals ist zurück, das Räuspern, das Brennen. Der erste Gedanke ist fast immer derselbe: Ich habe alles verdorben. Diese Mails bekomme ich jeden Sommer, seit sechzehn Jahren. Und in den allermeisten Fällen stimmt dieser Gedanke nicht. In dieser Folge geht es darum, was im Urlaub tatsächlich mit deinem Körper passiert - und warum das etwas völlig anderes ist als ein Rückfall.
Diese Themen erwarten dich:
- Warum viele kleine Veränderungen gleichzeitig - anderes Essen, fremdes Bett, andere Geräusche, verlorene Gewohnheiten - für ein frisch beruhigtes Nervensystem zusammen ausreichen, auch wenn jede einzelne davon harmlos ist
- Was Untersuchungen mit 24-Stunden-pH-Messung zeigen: Unter Stress steigen die Beschwerden, ohne dass die Refluxmenge zunimmt- Warum Speichel beim stillen Reflux der zentrale Schutzmechanismus im Rachen ist
- und wieso Hitze, Klimaanlage und zu wenig Trinken genau dort ansetzen
- Was beim Fliegen mit dem Kabinendruck passiert, und warum ich diesen Punkt ausdrücklich als plausibel und nicht als belegt kennzeichne- Vier konkrete Dinge, die du im Urlaub tun kannst
- und warum "einfach alle Routinen durchziehen" nicht dazugehört
Du nimmst aus dieser Folge vor allem eines mit: Wenn im Urlaub die Beschwerden zurückkommen, ist meistens nichts kaputt gegangen. Es hat sich etwas verändert, das sich auch wieder zurück verändert. Das ist ein Zustand, kein Schaden - und dieser Unterschied entscheidet darüber, wie du damit umgehst. Für alle, bei denen es länger als ein, zwei Tage dauert, ist außerdem ein wichtiger Satz dabei: Das ist keine Bewertung deines Fortschritts.
Timestamps
00:00 Die Mails, die jeden Sommer kommen 01:57 Das Toleranzfenster wird kleiner 03:09 Was sich im Urlaub alles gleichzeitig ändert 05:52 Was die Daten zeigen: mehr Beschwerden, nicht mehr Reflux 08:29 Speichel – der Schutzmechanismus im Rachen 11:12 Kabinendruck beim Fliegen 12:36 Kurz gestreift: der Mahlzeitenrhythmus 13:16 Was du im Urlaub tatsächlich tun kannst 15:48 Zusammenfassung
Links VagusPower - Selbstregulation bei stillem Reflux: https://magenkompass.de/vaguspower-selbstregulation-bei-stillem-reflux-die-wirklich-funktioniert/ Kostenlose Lebensmittellisten: https://magenkompass.de/e-news-mit-e-book-ernaehrungslisten-stiller-reflux/ Übersichtsartikel zu Stillem Reflux im Sommer: https://magenkompass.de/stiller-reflux-im-sommer-warum-sich-deine-beschwerden-veraendern-und-was-das-ueber-deine-ausloeser-sagt/ Quellen PMID 16310024 - Wright et al., psychischer Stress, Symptomschwere und Wahrnehmung bei Reflux PMID 28049863 - akuter Stress, ösophageale Motilität und Reflux bei Gesunden PMID 19453516 - Gegenbefund: akuter Stress und ösophageale Säurewahrnehmung PMID 24610537 - Bikarbonat-Sekretion obere vs. untere Speiseröhre PMID 6873607 - Helm et al., Speichel und ösophageale Säure-Clearance PMID 42118805 - Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Hydration und Speichelfluss PMID 9310086 - Dehydration und Parotisfunktion PMID 10348361 - Einschränkung: keine konsistenten Korrelationen Hydrationsmarker/Speichelfluss PMID 31751091 - Gasexpansion bei reduziertem Kabinendruck PMID 3609660 - Goo et al., zirkadiane Magenentleerung The association between symptoms of gastroesophageal reflux disease and perceived stress: A countrywide study of Sri Lanka McDonald-Haile et al., Gastroenterology 1994;107(1):61-69 Relaxation training reduces symptom reports and acid exposure in patients with gastroesophageal reflux disease Julie McDonald-Hailea,b ∙ Laurence A. Bradleya,b ∙ Marcel A. Baileyb ∙ Cathy A. Schana ∙ Joel E. Richtera https://www.gastrojournal.org/article/0016-5085(94)90061-2/fulltext
Transkript anzeigen
00:00:00: Es gibt ein paar Mails, die bekomme ich jedes Jahr.
00:00:04: Nicht ähnliche Mails, praktisch dieselben.
00:00:07: Nur von anderen Menschen.
00:00:09: Sie kommen im Juli, im August,
00:00:10: manchmal noch Anfang September und sie klingen ungefähr so.
00:00:15: Andrea, ich verstehe es nicht. Es lief monatelang gut.
00:00:18: Ich war so weit und jetzt bin ich zwei Tage hier und alles ist wieder da.
00:00:23: Der Kloß, das Räuspern, das Brennen hinten im Hals.
00:00:27: Aber habe ich alles umsonst gemacht und im
00:00:30: Feed von Members Circle passiert im Sommer genau dasselbe.
00:00:34: Jemand schreibt,
00:00:36: dass es zurück ist und dann kommen die Antworten und in fast jeder steht bei mir auch.
00:00:42: Ich erlebe das jetzt seit 16 Jahren, jeden Sommer und ich möchte dir heute erzählen,
00:00:47: was da eigentlich passiert.
00:00:50: Denn es ist etwas völlig anderes als das, was die meisten Betroffenen denken.
00:00:55: Die meisten denken, ich habe versagt, ich habe zu viel gegessen,
00:00:59: ich war zu unvernünftig, ich habe mich gehen lassen.
00:01:03: Und ich sage dir gleich vorweg, in den allermeisten Fällen stimmt das nicht.
00:01:10: Es ändern sich im Urlaub drei Dinge gleichzeitig.
00:01:13: Und keins davon hat damit zu tun, dass du dich schlecht benommen hättest.
00:01:19: Wir schauen uns heute an, was mit deinem Nervensystem passiert,
00:01:22: wenn du deine gewohnte Umgebung verlässt.
00:01:26: Warum die Beschwerden hochkommen können,
00:01:29: obwohl sich am stillen Reflux selbst gar nichts geändert hat.
00:01:33: Und das ist wirklich der spannendste Teil, dazu gibt es Daten.
00:01:38: Wir schauen uns zwei körperliche Verstärker an, die kaum jemand auf dem Schirm hat.
00:01:43: Und am Ende sage ich dir, was du tatsächlich tun kannst.
00:01:48: Fangen wir da an, wo es meiner Meinung nach wirklich anfängt.
00:01:57: Das Toleranzfenster wird kleiner.
00:02:01: Stell dir dein Nervensystem als einen Raum vor, in dem du dich gut bewegen kannst.
00:02:07: Solange du dich in diesem Raum aufhältst, ist alles in Ordnung.
00:02:10: Du verträgst Belastung, du verträgst mal einen anstrengenden Tag,
00:02:16: Du verträgst ein Essen, das nicht optimal war.
00:02:20: In der Arbeit mit dem Nervensystem nennt man das das Toleranzfenster.
00:02:25: Und ich möchte hier eines klar sagen, bevor ich weitermache.
00:02:30: Das ist ein Modell, ein Erklärbild.
00:02:33: Es ist kein Messwert, den dir jemand im Labor bestimmt.
00:02:38: Ich arbeite damit, weil es beschreibt,
00:02:40: was ich seit 16 Jahren bei Betroffenen beobachte
00:02:44: und weil Menschen damit sofort etwas anfangen können.
00:02:49: Was ich in diesen 16 Jahren gesehen habe, ist folgendes.
00:02:54: Wenn dein Reflux längere Zeit ruhig war,
00:02:56: dann ist dieser Raum nicht plötzlich riesig,
00:02:59: er ist frisch und er ist noch klein.
00:03:03: Er ist noch nicht stabil, er hat sich gerade erst wieder aufgebaut.
00:03:09: Und dann kommt der Urlaub.
00:03:11: Du isst anderes Essen, zu anderen Zeiten.
00:03:16: Du schläfst in einem fremden Bett mit einer anderen Matratze,
00:03:20: in einer anderen Schlafposition, weil das Kissen anders ist.
00:03:26: Du hörst andere Geräusche.
00:03:29: Klimaanlage, Straße, das Meer, die Nachbarn auf dem Balkon.
00:03:35: Es ist heller oder dunkler als zu Hause.
00:03:39: Es ist wärmer.
00:03:40: deine Gewohnheiten sind weg, der Kaffee zur gleichen Zeit, der Spaziergang am Abend,
00:03:46: das Ritual vor dem Schlafengehen, alles verschoben oder ganz gestrichen.
00:03:52: Jedes einzelne davon ist harmlos. Wirklich.
00:03:56: Kein Mensch bekommt Reflux davon, dass die Matratze zu weich ist.
00:04:01: Aber sie kommen nicht einzeln. Sie kommen alle auf einmal.
00:04:06: Und für ein Nervensystem, das gerade erst zur Ruhe gekommen ist,
00:04:11: reicht diese Summe oft aus.
00:04:14: Es schaltet zurück in den Modus, den es jahrelang gewohnt war.
00:04:19: In Wachsamkeit, in Anspannung, in diesen Zustand,
00:04:22: in dem alles ein bisschen zu viel ist.
00:04:27: Und dann passiert das, was ich in den Mails so oft lese.
00:04:31: Die alten Beschwerden kommen aus dem Keller und wenn du Pech hast,
00:04:35: laden sie auf dem Weg nach oben noch ein paar neue Freunde ein.
00:04:39: Der Kloß war früher da, jetzt ist plötzlich auch dieses Kratzen dabei.
00:04:44: Oder das Räuspern, das du seit Monaten nicht mehr hattest.
00:04:49: Und jetzt kommt der wichtigste Satz dieser Folge und
00:04:52: ich sage ihn ganz bewusst direkt nach diesem Bild.
00:04:57: Das ist reversibel. Das ist ein Zustand, kein Schaden.
00:05:06: Dein Nervensystem hat nichts vergessen von dem,
00:05:08: was du in den letzten Monaten aufgebaut hast.
00:05:12: Es ist nicht zurück auf Null. Es ist gerade nur in einem anderen Modus.
00:05:18: Und aus diesem Modus kommt es auch wieder heraus.
00:05:22: Was ich beobachte, bei den meisten legt sich das nach ein, zwei Tagen.
00:05:27: wenn nicht ständig etwas Neues dazu kommt und wenn man sich
00:05:30: nicht ausgerechnet in dieser Phase mit der Küche der Einheimischen anlegt.
00:05:37: Aber warum ist das so?
00:05:38: Warum kann das so schnell kommen und genau so schnell wieder gehen?
00:05:45: Da wird es interessant, denn dazu gibt es Daten.
00:05:50: Warum ist das kein Rückfall?
00:05:52: Es gibt eine Untersuchung,
00:05:54: die ich für eine der aufschlussreichsten auf diesem Gebiet halte.
00:05:59: Man hat 42 Menschen mit
00:06:00: Reflux über 24 Stunden mit einer pH-Messung begleitet.
00:06:06: Also mit einer Sonde, die aufzeichnet,
00:06:08: wie viel saurer Reflux tatsächlich stattfindet.
00:06:12: Ein Teil dieser Menschen wurde in den
00:06:14: letzten 90 Minuten unter psychischen Stress gesetzt.
00:06:18: Der andere Teil nicht.
00:06:21: Der Stress hat gewirkt, das konnte man messen.
00:06:24: Das Cortisol stieg, die Anspannung stieg.
00:06:28: Und jetzt kommt's: Der Reflux stieg nicht. Die Beschwerden aber schon.
00:06:37: Übersichtsarbeiten fassen das inzwischen so zusammen:
00:06:41: Akuter Stress verstärkt die Beschwerden über zentrale Mechanismen,
00:06:46: die über die Wahrnehmung
00:06:48: erhöhen, was du fühlst, ohne dass die Refluxmenge zunimmt.
00:06:53: Und in einer weiteren Untersuchung an
00:06:57: Gesunden veränderten sich unter akutem
00:07:00: Stress die Refluxparameter ebenfalls nicht bedeutsam.
00:07:05: Ich möchte fair bleiben. Nicht jede Studie findet diesen Effekt.
00:07:10: Es gibt eine Untersuchung mit einem
00:07:13: IQ-Test als Stressauslöser, in der die Wahrnehmung sich nicht verändert hat.
00:07:19: Obwohl der Stress
00:07:20: nachweislich gewirkt hat. Die Datenlage ist also nicht einheitlich.
00:07:25: Aber die Richtung ist deutlich
00:07:28: genug, um darauf etwas aufzubauen.
00:07:31: Und was heißt das jetzt für dich im Hotelzimmer am dritten Tag?
00:07:37: Es heißt, es muss sich nichts kaputt gemacht haben,
00:07:41: damit es sich schlechter anfühlt.
00:07:46: Dein Schließmuskel hat nicht plötzlich aufgegeben,
00:07:50: deine Schleimhaut ist nicht über Nacht wieder entzündet.
00:07:53: Was sich verändert hat, ist die Empfindlichkeit deines Systems für Signale,
00:07:58: die vielleicht sogar schon vorher da waren.
00:08:01: Du hast sie nur nicht wahrgenommen.
00:08:04: Und es ist eine gute Nachricht, denn wenn nichts kaputt gegangen ist,
00:08:08: muss auch nichts repariert werden.
00:08:11: Es muss sich nur etwas wieder herunterregulieren.
00:08:15: Das ist der Grund, warum das so schnell wieder verschwinden kann.
00:08:20: Ein Schaden braucht Wochen. Ein Zustand braucht manchmal nur eine ruhige Nacht.
00:08:29: Jetzt gibt es aber im Urlaub noch zwei Dinge,
00:08:32: die tatsächlich körperlich passieren und die kommen zu allem anderen obendrauf.
00:08:39: Der Speichel.
00:08:41: Der erste ist der wichtigere und er ist der große blinde Fleck bei stillem Reflux.
00:08:48: Beim klassischen Sodbrennen räumt die Speiseröhre auf, indem sie sich zusammenzieht.
00:08:54: Peristaltik.
00:08:56: Der Rachen kann das nicht.
00:08:58: Der Rachen hat diesen Muskelmechanismus nicht.
00:09:01: Er hat etwas anderes.
00:09:04: Speichel.
00:09:06: Speichel ist nicht einfach Wasser.
00:09:08: Speichel enthält Bikarbonat.
00:09:11: Ein Puffer, der Säure neutralisiert.
00:09:14: Du schluckst, der Speichel läuft nach unten
00:09:17: und mit jedem Schluck wird ein bisschen von dem neutralisiert,
00:09:21: was oben angekommen ist.
00:09:24: Und jetzt kommt der Befund, der mich beim Recherchieren wirklich beeindruckt hat.
00:09:30: Wenn man die obere Speiseröhre, also den Bereich,
00:09:34: der beim stillen Reflux betroffen ist, mit Säure und Pepsin belastet,
00:09:40: dann steigt die Bicarbonatausschüttung um mehr
00:09:43: als das Dreifache gegenüber der unteren Speiseröhre.
00:09:50: Dein Körper schützt den oberen Bereich also deutlich stärker als den unteren.
00:09:55: Das ist keine Nebensache, das ist dein wichtigster Schutzmechanismus da oben.
00:10:02: Und was passiert da mit dem Urlaub?
00:10:04: Es gibt eine Untersuchung aus diesem Jahr,
00:10:07: die den unstimulierten Speichelfluss über einen längeren Zeitraum gemessen hat.
00:10:13: Ergebnis, der Speichelfluss hängt signifikant zusammen mit der Raumtemperatur,
00:10:19: mit der Luftfeuchtigkeit und mit dem Hydratationsstatus,
00:10:24: also damit wie viel du getrunken hast.
00:10:29: Hitze, Klimaanlage, zu wenig Wasser,
00:10:32: wenn man unterwegs ist und der nächste Wasserhahn weit weg,
00:10:37: das ist die Urlaubskombination.
00:10:41: Und sie trifft genau den Mechanismus, der deinen Rachen schützt.
00:10:46: Ich will ihn nicht übertreiben.
00:10:48: Nicht alle Studien finden einen
00:10:50: klaren Zusammenhang zwischen Trinkmenge und Speichelfluss.
00:10:54: Aber die Richtung ist konsistent genug, dass ich sie ernst nehme.
00:11:00: Und wichtiger noch, es passt zu dem, was Betroffene beschreiben.
00:11:05: Trockener Hals, zäher Schleim und das Gefühl, ständig schlucken zu müssen,
00:11:10: und es kommt nichts.
00:11:12: Der zweite Punkt betrifft dich nur, wenn du fliegst und ich markiere ihn
00:11:18: ausdrücklich als plausibel, aber nicht belegt.
00:11:22: Die Kabine eines Flugzeugs ist nicht auf
00:11:25: Meereshöhe gedruckt. Sie entspricht ungefähr 2400 Metern.
00:11:31: Der Umgebungsdruck liegt bei etwa 75%
00:11:34: von dem, was du am Boden hast. Und Gase dehnen sich aus, wenn der Druck sinkt.
00:11:42: Das ist reine
00:11:43: Physik, das ist nicht strittig. Bis zu 35% mehr Volumen.
00:11:48: Betroffen sind alle gasgefüllten Räume
00:11:52: im Körper, die Nebenhöhlen, das Mittelohr und eben auch der Magen-Darm-Trakt.
00:11:58: Jetzt ist stiller
00:12:00: Reflux zu einem großen Teil gasformiger Reflux.
00:12:03: Der Gedanke liegt also nahe, dass mehr Gasvolumen
00:12:07: im Magen auch mehr davon nach oben bringt.
00:12:11: Aber, und das ist mir wichtig, dass es nicht untersucht,
00:12:16: es gibt meines Wissens keine einzige Studie,
00:12:20: die Flugreisen mit Reflux- oder Kehlkopfsymptomen
00:12:24: verknüpft hat. Die Physik stimmt. Der letzte Schritt ist eine Vermutung.
00:12:30: Eine gut begründete,
00:12:31: aber eben eine Vermutung. Und der Mahlzeitenrhythmus.
00:12:36: Ein dritter Punkt, nur ganz kurz, weil er eine
00:12:39: eigene Folge verdient. Dein Magen entleert sich abends langsamer als morgens.
00:12:45: Das ist gemessen,
00:12:46: bei fester Nahrung dauert es abends deutlich länger.
00:12:50: Wenn du im Urlaub um halb 10 oder 10 isst und
00:12:54: ins Bett gehst, trifft deine späte Mahlzeit auf einen Magen,
00:12:58: der ohnehin gerade heruntergefahren
00:13:01: hat.
00:13:02: Über die berühmte 3-Stunden-Regel sage ich heute bewusst nichts Endgültiges,
00:13:08: die Datenlage
00:13:08: dazu ist widersprüchlicher als man denkt. Das machen wir ein andermal richtig.
00:13:15: Was du tatsächlich
00:13:16: tun kannst. Was heißt das jetzt praktisch?
00:13:20: Erstens trinken, aber nicht als Wellness-Tipp. Wenn du
00:13:25: verstanden hast, dass Speichel dein Schutzmechanismus im Rachen ist,
00:13:29: dann ist Trinken keine allgemeine
00:13:31: Gesundheitsempfehlung mehr. Es ist die Grundlage für dieses System.
00:13:35: Stilles Wasser über den Tag
00:13:38: verteilt, auch wenn du keinen Durst hast.
00:13:40: Gerade bei Hitze meldet sich der Durst oft zu spät.
00:13:45: Zweitens. Ein Ankerpunkt, nicht zehn.
00:13:48: Such dir eine einzige Gewohnheit, die du aus deinem Alltag mitnimmst. Eine.
00:13:55: Deine Atemübung am Morgen, der Spaziergang vor dem Schlafengehen,
00:14:00: was auch immer bei dir funktioniert.
00:14:05: Nicht alle eine, denn wenn du versuchst,
00:14:07: im Urlaub deine komplette Routine durchzuziehen, machst du das Fenster nicht größer,
00:14:13: du machst es kleiner.
00:14:16: Kontrolle ist Anspannung.
00:14:18: Drittens, nicht in die Beobachtungsschleife gehen,
00:14:22: das ist der wichtigste Punkt und der schwerste.
00:14:27: In dem Moment, in dem du anfängst, alle 20 Minuten zu prüfen,
00:14:31: ob der Kloß noch da ist, verstärkst du genau die Wahrnehmung, um die es geht.
00:14:37: Du hast eben gehört, dass die Empfindlichkeit das eigentliche Thema ist.
00:14:43: Ständiges Nachfühlen füttert sie.
00:14:46: Und viertens, gibt dem Ganzen Zeit.
00:14:50: Bei den meisten legt sich das nach ein, zwei Tagen von selbst.
00:14:54: das Nervensystem gewöhnt sich an das fremde Bett, an die Geräusche,
00:14:59: an den neuen Rhythmus.
00:15:02: Und jetzt ganz wichtig: Wenn es bei dir länger dauert, dann machst du nichts falsch.
00:15:10: Die zwei
00:15:11: Tage sind eine Beobachtung, kein Sollwert.
00:15:14: Bei manchen dauert es fünf Tage, bei manchen die
00:15:18: ganze erste Woche.
00:15:19: Wie schnell dein System zurückfindet, hängt davon ab, wie lange es
00:15:25: vorher unter Druck stand und wie stabil deine Regulation gerade ist.
00:15:31: Das ist individuell
00:15:33: verschieden und es sagt nichts über deinen Fortschritt aus.
00:15:38: Was es sagt: Dein Fenster ist
00:15:40: gerade noch schmaler. Das ist eine Information, keine Bewertung.
00:15:48: Gut, ich fasse zusammen: Wenn im
00:15:52: Urlaub die Beschwerden zurückkommen,
00:15:54: ist das in den allermeisten Fällen kein Rückfall.
00:15:58: Es ist ein
00:15:58: Nervensystem,
00:16:00: das mit vielen kleinen Veränderungen gleichzeitig konfrontiert wird und einfach
00:16:06: vorübergehend enger stellt, weil ihm das sicherer vorkommt.
00:16:10: Dazu kommt ein Speichelsystem, das unter
00:16:14: Hitze und Flüssigkeitsmangel weniger leisten kann
00:16:17: und beim Fliegen möglicherweise etwas mehr Gasvolumen.
00:16:21: Nichts davon ist ein Schaden, alles davon ist ein Zustand.
00:16:27: Wenn du an dieser Regulationsfähigkeit
00:16:30: grundsätzlich arbeiten möchtest,
00:16:33: daran dass dein Toleranzfenster größer und stabiler wird,
00:16:38: dann ist das Tool VagusPower genau dafür gemacht.
00:16:42: Den Link findest du in den Show Notes.
00:16:46: Und wenn du im Urlaub bei der Ernährung Orientierung brauchst,
00:16:49: hol dir die Lebensmittellisten.
00:16:51: Die sind
00:16:52: kostenlos und helfen dir gerade dann,
00:16:55: wenn du auf einer fremden Speisekarte nichts findest und nicht
00:17:00: weißt, was davon für dich geht.
00:17:02: Ich wünsche dir einen guten Sommer und wenn dein Hals sich gerade
00:17:08: meldet und sagt, dass ihm alles zu viel ist, dann weißt du jetzt, was da passiert.
00:17:14: Bis zur nächsten Folge.
Neuer Kommentar