Ständiges Aufstoßen
Shownotes
Du stößt ständig auf. Nicht gelegentlich nach dem Essen, sondern immer wieder, oft im Abstand von Sekunden, über Stunden. Du hast Säureblocker probiert, die Ernährung umgestellt, Untersuchungen machen lassen – und die Auskunft bekommen, das komme eben vom Reflux. Geholfen hat nichts. Bei einem Teil der Betroffenen stimmt diese Erklärung nicht. Denn die Luft, die da hochkommt, war nie im Magen. In dieser Folge geht es um das supragastrale Aufstoßen – eine zweite, völlig andere Form des Aufstoßens, die in der Sprechstunde selten zur Sprache kommt. Dabei wird Luft aus dem Rachen in die Speiseröhre gezogen und sofort wieder herausgedrückt. Sie erreicht den Magen gar nicht. Deshalb kann das hunderte Male am Tag passieren – weit mehr, als der Magen an Luft überhaupt hergeben könnte. Darum geht es in dieser Episode:
- Die Rechnung, die zeigt, dass ständiges Aufstoßen nicht aus dem Magen kommen kann
- Was beim supragastralen Aufstoßen mechanisch passiert – in weniger als einer Sekunde
- Warum Darmgase nicht über die Speiseröhre entweichen (und wo es trotzdem eine Verbindung gibt)
- Warum Betroffene nicht merken, dass sie selbst beteiligt sind – und warum das kein Vorwurf ist
- Drei Fragen zur Selbsteinschätzung: Schlaf, Ablenkung, Sprechen
- Was wirklich hilft: Logopädie statt Säurehemmung
- Die Verbindung zu Stillem Reflux, Kloßgefühl und überempfindlicher Speiseröhre Du nimmst aus dieser Folge eine Erklärung mit, die viele zum ersten Mal hören – und drei konkrete Fragen, mit denen du einschätzen kannst, ob dein Aufstoßen zu diesem Muster passt. Vor allem aber nimmst du eine gute Nachricht mit: Wenn es sich um eine erlernte Bewegung handelt, kann der Körper sie auch wieder verlernen. Genau darauf ist die Behandlung ausgelegt. Diese Folge richtet sich besonders an Menschen mit Stillem Reflux, bei denen Protonenpumpenhemmer nicht angeschlagen haben, und an alle, denen niemand erklären konnte, woher die viele Luft eigentlich kommt. Hinweis: Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Diese Episode ersetzt keine Untersuchung und keine Diagnose. Timestamps [00:00] Intro – die Rechnung, die nicht aufgeht [03:15] Zwei Arten von Aufstoßen, die nichts miteinander zu tun haben [06:00] Was beim supragastralen Aufstoßen mechanisch passiert [08:35] Aber kommen die Gase nicht aus dem Darm? [11:20] Warum du nicht merkst, dass du es selbst machst [15:55] Drei Fragen zur Selbsteinschätzung [20:30] Was hilft – Logopädie und der Bezug zum Reflux [26:05] Outro und Empfehlungen Timestamps sind aus der Wortzahl berechnet (107 Wörter/Minute) – nach dem Schnitt mit kapitel.py gegenprüfen. Links Tool Zwerchfell & Entspannung: https://magenkompass.de/tool-zwerchfell-entspannung/ Gratis E-Book Zwerchfelltraining: https://magenkompass.de/newsletter-mit-e-book/ Reflux-Tool-Kit & Members Circle: https://magenkompass.de/reflux-toolkit-und-members-circle/ Artikel zur Folge: https://magenkompass.de/staendiges-aufstossen-supragastral/ Das Kloßgefühl und der Stille Reflux: https://magenkompass.de/das-klossgefuehl-und-der-stille-reflux/ Quellen (im Artikel hinterlegt) PMID 25001253 – Übersicht zu Entstehung, Diagnostik und Behandlung von übermäßigem Aufstoßen PMID 35562166 – Supragastrales Aufstoßen: Entstehung, Diagnostik, Behandlung PMID 27206156 – Supragastrales Aufstoßen, Globusgefühl und PPI-Versagen PMID 32272249 – Phänotypen der Refluxhypersensitivität PMID 29574541 – Logopädische Behandlung, 73 Behandelte PMID 19650772 – Pilotstudie zur logopädischen Behandlung AGA Clinical Practice Update zu Aufstoßen, Blähungen und Distension, Gastroenterology 2023
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00:00:00: Ich fange heute mit einer Rechnung an. Ganz einfach, versprochen.
00:00:05: Aber sie verändert alles, was du bisher über Aufstoßen gedacht hast.
00:00:10: Stell dir jemanden vor, der sagt, ich stoße ungefähr 30 Mal in der Stunde auf.
00:00:17: Das ist keine erfundene Zahl, so etwas höre ich in Beratungen gelegentlich.
00:00:24: 30 Mal in der Stunde.
00:00:27: Wenn dieser Mensch 16 Stunden wach ist, kommt er auf knapp 500 Mal am Tag.
00:00:34: Und jetzt der Wert, der in der Fachliteratur als unauffällig gilt.
00:00:38: Bis zu 30 Mal aufstoßen, nicht pro Stunde, pro Tag.
00:00:48: Warum liegt diese Grenze so tief?
00:00:51: Weil die Luft im Magen aus einer einzigen Quelle stammt.
00:00:54: Du hast sie geschluckt.
00:00:56: Bei jedem Schluck gehen ein paar Milliliter mit hinunter.
00:01:00: Beim Essen, beim Trinken, beim Schlucken von Speichel.
00:01:04: Dazu kommt die Kohlensäure aus Getränken und eine kleine Menge Gas,
00:01:08: die entsteht, wenn Magensäure auf bestimmte Nahrungsbestandteile trifft.
00:01:13: Das war's.
00:01:15: Mehr hat der Magen nicht anzubieten.
00:01:18: Das heißt, 500 Mal aufstoßen am Tag kann der Magen gar nicht liefern.
00:01:25: Er hat die Luft dafür nicht.
00:01:28: Diese Rechnung ist kein Beweis.
00:01:32: Selbst geschätzte Häufigkeiten sind selten genau.
00:01:35: Und wenn wir großzügig nach unten korrigieren, bleibt trotzdem eine Größenordnung übrig, die nicht zusammenpasst.
00:01:44: Und sie führt zu einer Frage, die in der Sprechstunde fast nie gestellt wird.
00:01:49: Wenn die Luft nicht aus dem Magen kommt, wo kommt sie dann her?
00:01:54: Die Antwort: aus dem Rachen.
00:01:57: Und sie war nie tiefer als in der Speiseröhre.
00:02:02: Das Ganze hat einen Namen.
00:02:04: Supragastrales Aufstoßen.
00:02:07: Supra heißt oberhalb, gastral heißt den Magen betreffend.
00:02:12: Also Aufstoßen oberhalb des Magens.
00:02:16: Darum geht es heute.
00:02:17: Ich erkläre dir, was da mechanisch passiert.
00:02:20: Dann kommt der Teil, an dem es unangenehm werden kann.
00:02:24: warum die meisten Betroffenen nicht merken, dass sie selbst daran beteiligt sind.
00:02:30: Dafür nehme ich mir bewusst Zeit.
00:02:33: Danach bekommst du drei Fragen, mit denen du dich selbst einschätzen kannst.
00:02:38: Und zum Schluss, was hilft?
00:02:41: So viel vorweg, es sind keine Säureblocker.
00:02:45: Wenn du zu den Menschen gehörst, bei denen nichts angeschlagen hat,
00:02:49: obwohl doch angeblich Reflux das Problem ist,
00:02:53: Diese Folge könnte deine sein.
00:03:05: Du kämpfst mit stillem Reflux und suchst endlich Antworten, die wirklich Sinn ergeben?
00:03:10: Willkommen bei Stiller Reflux, dem Magenkompass-Podcast.
00:03:13: Ich bin Andi und hier geht es darum, stillen Reflux zu erkennen, neu zu denken und anders
00:03:20: zu handeln.
00:03:21: Fundiert, ganzheitlich und alltagstauglich.
00:03:25: Raus aus dem Beschwerdekarussell, hinein in deine Selbstwirksamkeit.
00:03:30: Stille Reflux, dein Podcast für mehr Verständnis, Balance und Lebensqualität.
00:03:38: Erstens, zwei Arten von Aufstoßen, die nichts miteinander zu tun haben.
00:03:44: Es gibt zwei völlig verschiedene Vorgänge, die von außen gleich klingen.
00:03:50: Wirklich gleich.
00:03:52: Man hört ihnen den Unterschied nicht an. Der erste ist das gastrale Aufstoßen und das kennst du. Im Magen sammelt sich Gas. Der Verschluss nach oben, der untere Speiseröhrenschließmuskel öffnet sich reflexhaft, die Luft entweicht.
00:04:09: Entlüftungsmechanismus, den jeder Mensch hat und auch braucht. Bis zu 30 Mal am Tag gilt das
00:04:16: völlig unauffällig und typischerweise verstärkt sich das nach dem Essen. Logisch, weil du beim
00:04:23: Essen mehr Luft mitschluckst. Der zweite ist das supragastrale Aufstoßen und der funktioniert
00:04:32: grundlegend anders. Die Luft kommt aus dem Rachen, sie wird in die Speiseröhre gezogen und sofort
00:04:39: wieder herausgedrückt. Den Magen erreicht sie nie. Der wichtigste Unterschied ist aber gar nicht,
00:04:47: wo die Luft herkommt, der wichtigste Unterschied ist die Art des Vorgangs. Das eine ist ein Reflex,
00:04:55: das andere ist eine automatisierte Bewegungsfolge, etwas, das dein Körper sich angewöhnt hat.
00:05:05: Drei Punkte, die du dir merken kannst.
00:05:07: Erstens die Herkunft der Luft.
00:05:10: Magen gegen Rachen.
00:05:12: Zweitens die Häufigkeit.
00:05:14: Beim gastralen Aufstoßen ist die Menge begrenzt, weil die Luft verbraucht wird.
00:05:21: Beim Supragastralen gibt es diese Grenze nicht.
00:05:25: Dieselbe Luft wird zwischen Rachen und Speiseröhre hin und her bewegt.
00:05:30: Das ist eine Schleife, kein Verbrauch.
00:05:34: Deshalb sind Fälle mit mehreren hundert Episoden am Tag beschrieben.
00:05:39: Und drittens der Schlaf.
00:05:42: Gastrales Aufstoßen kommt nachts durchaus vor.
00:05:46: Supragastrales hört im Schlaf vollständig auf.
00:05:51: Nicht weniger, gar nicht.
00:05:55: Das ist einer der stärksten Hinweise überhaupt.
00:05:58: Ich komme darauf zurück.
00:06:01: Dazu kommt, supragastrales Aufstoßen ist weitgehend unabhängig von den Mahlzeiten.
00:06:07: Es kommt auch auf nüchternen Magen, oft in Serien, teils im Abstand von Sekunden über längere Zeit.
00:06:17: Das alles ist gut belegt.
00:06:19: Man kann die beiden Vorgänge messtechnisch sauber auseinanderhalten.
00:06:23: Dazu später mehr.
00:06:26: Was da mechanisch passiert?
00:06:28: Der ganze Vorgang dauert weniger als eine Sekunde und besteht aus zwei Bewegungen.
00:06:34: Erste Bewegung, das Zwerchfell zieht sich zusammen.
00:06:39: Das ist im Prinzip dieselbe Bewegung wie beim Einatmen.
00:06:42: Das Zwerchfell geht nach unten, im Brustraum entsteht Unterdruck.
00:06:48: Dieser Unterdruck wirkt auch auf die Speiseröhre.
00:06:53: Gleichzeitig entspannt sich der obere Speiseröhrenschließmuskel, der Ringmuskel ganz oben am Übergang vom Rachen.
00:07:01: Und dann passiert das Entscheidende. Luft wird aus dem Rachen in die Speiseröhre gesogen.
00:07:10: Zweite Bewegung. Die Bauchmuskulatur spannt an, der Druck steigt und die Luft wird sofort wieder nach oben herausgedrückt.
00:07:19: Als hörbares Aufstoßen.
00:07:24: Und jetzt kommt der Punkt, auf den es ankommt.
00:07:26: Der untere Schließmuskel, also der zum Magen hin, bleibt bei all dem geschlossen.
00:07:32: Die Luft gelangt nicht in den Magen.
00:07:35: Sie macht eine kurze Schleife in die Speiseröhre und kommt wieder heraus.
00:07:40: Es gibt übrigens eine zweite Variante.
00:07:43: Manche Betroffene ziehen die Luft nicht ein, sondern pressen sie mit der Zunge in die Speiseröhre hinein,
00:07:50: ähnlich der Technik, die Menschen nach einer Kehlkopfentfernung lernen, um wieder sprechen zu können.
00:07:59: Der Weg ist ein anderer, das Ergebnis dasselbe.
00:08:02: Und ein Detail, das später im Selbstcheck wichtig wird.
00:08:07: Die Luft, die dabei hochkommt, riecht und schmeckt nach nichts.
00:08:11: Kein Säuregeschmack, kein Essensgeruch, nichts Bitteres.
00:08:16: Sie war ja nie im Magen.
00:08:18: Wenn du dir das bildlich vorstellen willst,
00:08:22: denk an eine Fahrstuhltür, die aufgeht.
00:08:25: Jemand tritt kurz hinein, die Tür geht wieder auf
00:08:28: und der tritt sofort wieder heraus.
00:08:31: Der Fahrstuhl fährt nie los.
00:08:34: Es sieht aus wie eine Fahrt,
00:08:36: es ist aber nur ein Rein und Raus im Erdgeschoss.
00:08:41: Der Magen, das wäre in diesem Bild das Untergeschoss
00:08:45: und dorthin geht es gar nicht.
00:08:49: 3. Aber kommen die Gase nicht aus dem Darm?
00:08:55: An dieser Stelle kommt fast immer ein Einwand und der ist so verbreitet, dass ich ihn kurz mitnehmen muss.
00:09:02: Er lautet, im Darm entsteht doch bei der Verdauung jede Menge Gas, also muss davon doch etwas nach oben kommen.
00:09:10: Nein.
00:09:12: Und diese Vorstellung führt viele in die Irre.
00:09:15: Der Verdauungstrakt arbeitet in dieser Hinsicht als Einbahnstraße.
00:09:23: Die Muskelbewegungen des Darms transportieren den Inhalt in eine Richtung nach unten.
00:09:29: Gas, das im Dickdarm durch Bakterien entsteht, nimmt denselben Weg und verlässt den Körper am anderen Ende.
00:09:37: Es wandert nicht rückwärts durch mehrere Meter Dünndarm und durch den Magenpförtner zurück in den Magen.
00:09:45: Was du beim Aufstoßen loswirst, ist also nicht die Gärung von gestern.
00:09:52: Es ist im Wesentlichen Luft, die du selbst geschluckt hast.
00:09:56: Und das ist der Grund, warum die Rechnung vom Anfang überhaupt funktioniert.
00:10:03: Zwei Einschränkungen, damit das Bild vollständig ist.
00:10:06: Die erste, der obere Dünndarm.
00:10:09: Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung entsteht Gas dort, wo es eigentlich nicht hingehört,
00:10:16: deutlich weiter oben in unmittelbarer Nachbarschaft zum Magen.
00:10:21: Da ist ein Übertritt denkbar.
00:10:24: Das ist plausibel, aber nicht in dem Sinne belegt wie der Rest.
00:10:31: Die zweite, der Weg über das Zwerchfell.
00:10:35: Viel Gas im Bauchraum verändert die Platzverhältnisse und drückt von unten gegen das Zwerchfell.
00:10:42: Das kann Beschwerden machen, die sich anfühlen wie Herz- oder Speiseröhrenprobleme.
00:10:47: Du kennst das vielleicht als Roemheld-Syndrom.
00:10:52: Aber auch hier steigt das Gas nicht durch die Speiseröhre auf.
00:10:56: Es wirkt über die Nachbarschaft.
00:10:59: Und ein dritter Punkt, der für Reflux tatsächlich zählt.
00:11:03: Mehr Gas im Bauchraum bedeutet mehr Dehnung und Dehnung im oberen Magen ist genau der Reiz,
00:11:10: der die reflexhafte Öffnung zwischen Magen und Speiseröhre auslöst.
00:11:16: Darmgas kann Reflux also durchaus begünstigen, nur eben indirekt.
00:11:22: Über die Auslösung, nicht als aufsteigende Blase.
00:11:28: Viertens, warum du nicht merkst, dass du es selbst machst.
00:11:33: Jetzt kommt der Teil, an dem in Gesprächen die meisten Menschen aussteigen.
00:11:38: Denn was ich gerade beschrieben habe, bedeutet in der Konsequenz, diese Bewegung machst du selbst.
00:11:45: Und ich weiß genau, wie das ankommt.
00:11:48: Das klingt nach Vorwurf, nach sie bilden sich das ein, nach reißen sie sich doch mal zusammen.
00:11:55: Deshalb sage ich das ganz deutlich, so ist es nicht gemeint und so ist es auch nicht.
00:12:04: Dein Körper hat unfassbar viele Bewegungsfolgen automatisiert, die am Anfang bewusst waren.
00:12:10: Fahrradfahren, erinnerst du dich, wie mühsam das war?
00:12:14: Heute denkst du beim Losfahren an gar nichts mehr.
00:12:18: Tippen auf einer Tastatur ohne hinzusehen, schalten beim Autofahren
00:12:23: und dann gibt es die weniger nützliche Sorte.
00:12:26: Zähneknirschen im Schlaf, Nägelkauen beim Nachdenken
00:12:31: Oder das Räuspern, das sich nach einer Erkältung eingeschliffen hat und ein halbes Jahr später immer noch da ist, obwohl die Erkältung längst vorbei ist
00:12:41: Käme jemand auf die Idee, einem Menschen, der nachts mit den Zähnen knirscht, vorzuwerfen, er mache das mit Absicht?
00:12:49: Natürlich nicht
00:12:51: Beim supragastralen Aufstoßen ist es dasselbe Prinzip und der Weg dorthin ist meistens sogar gut nachvollziehbar
00:13:00: Am Anfang steht in aller Regel ein unangenehmes Gefühl, Völlegefühl.
00:13:08: Druck hinter dem Brustbein, Enge im Hals und Aufstoßen bringt Kurz Erleichterung.
00:13:14: Für ein paar Sekunden ist der Druck weg.
00:13:18: Dein Körper merkt sich das.
00:13:21: Er ist genau dafür gebaut, sich zu merken, was Erleichterung bringt.
00:13:27: Und dann schleift es sich ein, erst bei starkem Druck, dann öfter, dann schon bei leichtem Unbehagen.
00:13:35: Und irgendwann läuft die Bewegung von allein, auch ohne das ursprüngliche Gefühl.
00:13:42: Sie hat sich selbstständig gemacht.
00:13:45: Deshalb erleben Betroffene das als etwas, das ihnen passiert.
00:13:49: Und jetzt kommt der Punkt, der mir am wichtigsten ist.
00:13:53: Diese Wahrnehmung ist nicht falsch.
00:13:56: Sie ist zutreffend, die Bewegung ist tatsächlich unwillkürlich geworden.
00:14:02: Du machst sie nicht absichtlich und du hast sie auch nicht bewusst begonnen.
00:14:09: Ein Detail aus der Forschung finde ich in dem Zusammenhang sehr aufschlussreich.
00:14:13: Bei Kindern kommt Supragastrales Aufstoßen deutlich seltener vor als Gastrales.
00:14:20: Die Angewöhnung findet offenbar erst im späteren Leben statt.
00:14:25: Das passt zu allem, was ich gerade beschrieben habe.
00:14:29: Es ist etwas, das sich über Zeit entwickelt,
00:14:32: meist auf dem Boden von Beschwerden, die es wirklich gab.
00:14:36: Und genau darin liegt die gute Nachricht.
00:14:39: Das ist kein Trostpflaster, das ist der eigentliche Behandlungsansatz.
00:14:46: Was der Körper gelernt hat, kann er auch wieder verlernen.
00:14:52: Bei einem Reflex geht das nicht, bei einer erlernten Bewegung schon.
00:14:58: Ein Wort noch dazu, weil ich weiß, wie empfindlich dieses Thema ist.
00:15:04: Dass hier eine erlernte Bewegung im Spiel ist, heißt nicht, dass deine Beschwerden nicht echt sind.
00:15:12: Sie sind echt. Das Aufstoßen ist echt. Der Druck, der am Anfang stand, war echt.
00:15:20: Die Belastung im Alltag ist echt und sie ist oft erheblich, weil man sich damit kaum unter Menschen traut.
00:15:28: Es heißt nur eines, der Hebel liegt woanders, als du bisher dachtest, und er liegt näher an dir dran.
00:15:38: Drei Fragen zur Selbsteinschätzung
00:15:42: Jetzt kommt der praktische Teil.
00:15:45: Sicher unterscheiden lassen sich die beiden Formen nur mit einer Messung.
00:15:51: Dazu sage ich gleich noch etwas. Aber es gibt Hinweise, die zusammengenommen ziemlich deutlich sind. Drei davon sind besonders aussagekräftig.
00:16:03: Frage 1. Hört es im Schlaf auf?
00:16:09: Supragastrales Aufstoßen kommt im Schlaf nicht vor, gar nicht.
00:16:14: Es braucht Muskulatur, die willkürlich angesteuert wird und die arbeitet im Schlaf so nicht.
00:16:23: Gastrales Aufstoßen dagegen kommt nachts durchaus vor.
00:16:27: Wenn dein Partner oder deine Partnerin sagt, nachts ist absolute Ruhe, aber tagsüber geht das im Minutentakt, dann ist das ein starker Hinweis.
00:16:39: Frag ruhig gezielt nach, das ist eine Information, an die du selbst nicht herankommst.
00:16:47: Frage 2. Wird es besser, wenn du sprichst oder abgelenkt bist?
00:16:53: Beim Erzählen, beim Vorlesen, beim Singen, bei konzentrierter Arbeit, lässt es nach oder verschwindet es ganz?
00:17:01: Das ist typisch.
00:17:03: Die Bewegungsfolge braucht Kehlkopf und Atmung und wenn die gerade anderweitig beschäftigt sind, ist schlicht kein Platz dafür.
00:17:13: Dem gastralen Aufstoßen ist völlig egal, was du gerade tust.
00:17:17: Der Magen entlüftet, wenn er entlüften muss.
00:17:22: Frage 3
00:17:23: Wird es schlimmer, wenn jemand darüber spricht?
00:17:27: Das ist der Punkt, bei dem viele auflachen, weil sie sich sofort wiedererkennen.
00:17:33: Sobald das Thema zur Sprache kommt, beim Arzt, im Gespräch mit Angehörigen, in der Beratung, häuft es sich auffällig.
00:17:42: Manchmal ausgerechnet in dem Moment, in dem man erklären möchte, wie belastend es ist.
00:17:47: Das ist kein Zufall und nichts, wofür man sich schämen müsste.
00:17:52: Aufmerksamkeit auf die Region erhöht die Wahrscheinlichkeit der Bewegung.
00:17:57: Beim Zähneknirschen ist das genauso.
00:18:00: Dazu ein paar weitere Hinweise, die ins Bild passen.
00:18:04: Es tritt unabhängig von den Mahlzeiten auf, nicht vorwiegend danach.
00:18:10: Es kommt in Serien, teils im Sekundenabstand über längere Zeit.
00:18:16: Die aufgestoßene Luft riecht und schmeckt nach nichts.
00:18:20: Säureblocker haben nichts gebracht, jedenfalls nicht gegen das Aufstoßen.
00:18:27: Und manchmal fällt Angehörigen etwas auf, das kurz vorher passiert.
00:18:31: Eine Bewegung am Kehlkopf, ein Zusammenpressen der Lippen
00:18:35: oder ein kurzes Innehalten der Atmung direkt nach dem Einatmen.
00:18:41: Zur Einordnung, die drei Kernfragen Schlaf, Ablenkung und Sprechen sind gut belegt.
00:18:48: Die äußerlich sichtbaren Zeichen stammen aus der klinischen Beobachtung.
00:18:54: Das ist eine Stufe darunter aber praktisch brauchbar.
00:18:58: Und ganz klar, das ist eine Einschätzung, keine Diagnose.
00:19:04: Sicher unterscheiden kann man die beiden Formen nur mit einer kombinierten Impedanz-pH-Messung über 24 Stunden.
00:19:13: Dabei liegt eine dünne Sonde in der Speiseröhre und erfasst über die elektrische Leitfähigkeit jede Bewegung, auch die von Luft.
00:19:23: Und vor allem, in welche Richtung diese Bewegung läuft.
00:19:29: Im Messprotokoll ist der Unterschied eindeutig.
00:19:32: Beim gastralen Aufstoßen zeigt sich die Luft zuerst unten nah am Magen und wandert dann nach oben.
00:19:39: Beim Supragastralen zeigt sie sich zuerst oben, wandert kurz nach unten und sofort wieder zurück.
00:19:47: Durchgeführt wird das in gastroenterologischen Praxen und Kliniken mit Funktionsdiagnostik.
00:19:56: Nicht jede Praxis bietet es an, es lohnt sich gezielt danach zu fragen
00:20:01: und ein erfahrener Untersucher stellt den Verdacht oft schon im Gespräch.
00:20:05: Allein am Muster und an dem, was er sieht.
00:20:09: Was hilft und was das mit deinem Reflux zu tun hat?
00:20:16: Was hilft sind nicht Säureblocker, sondern Logopädie.
00:20:20: Das überrascht fast jeden, dem ich das sage.
00:20:23: Es ergibt aber sofort Sinn, sobald klar ist, worum es geht.
00:20:29: Um eine Bewegungsfolge im Bereich von Kehlkopf, Zwerchfell und Atmung.
00:20:35: Und genau dafür sind Logopädinnen und Logopäden ausgebildet.
00:20:41: Die Behandlung besteht im Kern aus drei Teilen.
00:20:44: Erstens die Erklärung.
00:20:47: Und das ist kein Vorgeplänkel, das ist bereits Behandlung.
00:20:51: Solange der Vorgang als etwas Fremdes erlebt wird, das einem zustößt, gibt es nichts, woran man etwas ändern könnte.
00:21:01: Wenn du bis hierher zugehört hast, hast du diesen Teil im Grunde schon hinter dir.
00:21:07: Zweitens, die Wahrnehmung.
00:21:10: Zu spüren, wie die Luft eingesogen wird und vor allem wann.
00:21:16: Das ist der schwierigste und zugleich wichtigste Schritt.
00:21:20: Und der, der Zeit braucht.
00:21:22: Drittens, Übungen.
00:21:25: Arbeit an Stimmlippenschluss, Mundschluss und Atmung.
00:21:30: Also Bewegungen, die die Kette unterbrechen, bevor sie durchläuft.
00:21:37: Sehr häufig kommt Zwerchfellatmung dazu.
00:21:41: Zur Evidenz, weil mir das wichtig ist, in einer Auswertung von 73 behandelten Personen
00:21:47: zeigte dieses Vorgehen deutliche Verbesserungen und es gibt frühere, kleinere Untersuchungen mit ähnlichem Ergebnis.
00:21:56: Das ist belegt, aber auf kleinen Fallzahlen.
00:22:00: Große randomisierte Studien fehlen bislang.
00:22:04: Ich sage das dazu, damit du weißt, worauf du dich stützt.
00:22:08: Und jetzt die Verbindung zum Reflux.
00:22:11: Die ist der Grund, warum dieses Thema hier in diesem Podcast läuft.
00:22:17: Beide Formen des Aufstoßens treten bei Refluxbetroffenen gehäuft auf.
00:22:23: In einer Untersuchung mit ambulanter Impedanzmessung zeigte etwa die Hälfte der Betroffenen mit Refluxkrankheit supragastrale Episoden.
00:22:34: Richtig interessant wird der zeitliche Zusammenhang.
00:22:38: Bei einem Teil der Betroffenen folgt das Aufstoßen auf einen Refluxvorgang.
00:22:45: Bei denen wirken Säureblocker gut.
00:22:49: Und bei einem anderen Teil geht das Aufstoßen dem Reflux voraus.
00:22:55: Das heißt, die Bewegung löst den Reflux mit aus, nicht umgekehrt.
00:23:03: Und wenn das so ist, dann ist Säurehemmung am falschen Ende angesetzt.
00:23:09: Das erklärt eine Erfahrung, die ich in Beratungen sehr oft höre.
00:23:13: die Medikamente wirken einfach nicht, obwohl doch angeblich Reflux das Problem ist. Ich möchte an
00:23:19: der Stelle ausdrücklich sagen, dass es kein Vorwurf an behandelnde Ärztinnen und Ärzte ist. Supragastrales
00:23:26: Aufstoßen braucht eine Messung, die nicht überall verfügbar ist. Und in einem 10-Minuten-Termin fällt
00:23:33: so etwas schlicht durchs Raster. Zwei weitere Verbindungen, die bei stillem Reflux besonders zählen.
00:23:40: Zum einen, supragastrales Aufstoßen tritt auffällig oft gemeinsam mit dem Kloßgefühl im Hals auf.
00:23:49: Das passt zusammen, denn beides spielt sich am oberen Speiseröhrenschließmuskel ab
00:23:55: und bei beidem findet sich dort erhöhte Anspannung.
00:24:00: Zum anderen, bei Menschen mit einer überempfindlichen Speiseröhre ist der Anteil besonders hoch.
00:24:07: in einer Untersuchung an genau dieser Gruppe hatte fast die Hälfte eine solche Bewegungskomponente.
00:24:14: Diese Prozentzahlen stammen aus einzelnen Untersuchungen an ausgewählten Gruppen.
00:24:19: Sie sind nicht auf alle Betroffenen übertragbar.
00:24:23: Aber es ist eben genau die Gruppe, bei der die üblichen Behandlungen nicht greifen.
00:24:29: Was du selbst schon tun kannst, bis du einen Termin hast.
00:24:34: und das ersetzt keine Behandlung, es zeigt die Richtung.
00:24:40: Beobachten statt bekämpfen. Führ ein paar Tage lang locker Buch.
00:24:45: Wann tritt es auf, wann nicht?
00:24:47: Was hast du in den ruhigen Phasen gerade gemacht?
00:24:51: Das schärft deine Wahrnehmung und ist gleichzeitig gute Vorarbeit für die Logopädie.
00:24:58: Auf den Moment davor achten.
00:25:01: Gibt es ein Gefühl, das vorausgeht?
00:25:03: Druck, Enge, Völlegefühl oder kommt es scheinbar aus dem Nichts?
00:25:10: Zwerchfellatmung üben.
00:25:12: Ruhige Bauchatmung mit verlängerter Ausatmung arbeitet genau an der Muskulatur, die bei diesem Vorgang beteiligt ist.
00:25:23: Und den Mund locker lassen.
00:25:26: Manche bemerken, dass sich vorher Lippen und Kiefer anspannen.
00:25:30: Bewusst lockern kann die Kette unterbrechen.
00:25:34: Ein Hinweis, der sein muss, anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.
00:25:40: Ständiges Aufstoßen kann auch andere Ursachen haben und eine Einschätzung über einen Podcast ersetzt keine Untersuchung.
00:25:51: Wenn du ständig aufstößt und nichts geholfen hat, lohnt sich eine einzige Frage.
00:25:56: Woher kommt die Luft eigentlich?
00:25:59: Kommt sie gar nicht aus dem Magen, dann ist Säurehemmung der falsche Hebel.
00:26:04: Und der richtige ist einer, an den du selbst herankommst.
00:26:08: Nicht durch Willenskraft, sondern durch eine Behandlung, die genau darauf ausgelegt ist, automatisierte Bewegungen wieder aufzulösen.
00:26:21: Dein Körper hat diese Bewegung gelernt.
00:26:25: Er kann sie auch wieder verlernen.
00:26:28: Zwei Dinge noch zum Schluss.
00:26:30: Das Zwerchfell spielt bei dieser Bewegung ganz vorne mit
00:26:34: und es spielt bei stillem Reflux ohnehin eine Hauptrolle.
00:26:39: Wenn du da ansetzen willst,
00:26:42: mein E-Book zum Zwerchfell-Training bekommst du kostenlos.
00:26:45: Den Link findest du in den Shownotes.
00:26:49: Wenn du tiefer einsteigen möchtest,
00:26:51: mit angeleiteten Übungen und dem Entspannungsteil dazu,
00:26:55: dann schau dir das Tool Zwerchfell und Entspannung an.
00:26:59: Und wenn du beim Zuhören gedacht hast,
00:27:01: bei mir hängt das an mehreren Stellen gleichzeitig,
00:27:06: dann ist das Reflux-Tool-Kit der Ort,
00:27:09: an dem alle vier Bausteine zusammenkommen.
00:27:12: Ernährung, Muskulatur, Nervensystem und Darm.
00:27:16: Auch den Link findest du unten.
00:27:20: Danke, dass du bis hierher zugehört hast.
00:27:23: Wenn du jemanden kennst, bei dem das Aufstoßen niemand richtig einordnen konnte, leite die Folge gerne weiter.
00:27:31: Genau dafür ist sie gemacht.
00:27:34: Wir hören uns nächste Woche.
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