Stiller Reflux ohne Auslöser
Shownotes
Es gibt eine Gruppe von Betroffenen, für die das übliche Reflux-Raster keine Antwort hat: Menschen ohne einen einzigen klassischen Risikofaktor. Kein Alkohol, kein Nikotin, kein Übergewicht, kein spätes Essen, unauffällige Magenspiegelung. Und trotzdem Räusperzwang, Kloßgefühl, belegte Stimme, Reizhusten. Wer in dieser Gruppe ist, fängt irgendwann an, bei sich selbst zu suchen. Irgendetwas muss man ja falsch machen. Diese Suche führt in die Irre – nicht, weil nichts zu finden wäre, sondern weil am falschen Ort gesucht wird. In dieser Folge geht es um den Unterschied zwischen zwei Fragen, die ständig verwechselt werden: Wie oft wird ein Reflux-Ereignis ausgelöst? Und wie leicht kommt es überhaupt zustande? Die erste Frage beantworten Lifestyle-Faktoren. Die zweite entscheidet deine körperliche Ausgangslage – und die steht auf keinem Fragebogen. Darum geht es konkret: Warum das Standard-Raster nicht falsch, aber unvollständig ist Drei Muster von Betroffenen, die durch jede Anamnese fallen Druck im Bauchraum und Zwerchfellbeweglichkeit als unterschätzte Stellschrauben Warum das Entleerungstempo deines Magens über Medikamente beeinflusst wird – inklusive der Abnehmspritzen Der Unterschied zwischen Disposition und Verstärker, und warum er über deine ganze Strategie entscheidet Du nimmst aus dieser Folge vor allem eines mit: Eine ungünstige Ausgangslage ist keine Schuld und kein Urteil. Sie ist eine Information. Und sie sagt dir, an welcher Stelle deine Arbeit tatsächlich etwas bewirkt – statt weiter an Stellschrauben zu drehen, die bei dir nie das Problem waren. Timestamps (Berechnet mit 107 Wörtern/Minute, Gesamtlänge ca. 22 Minuten – nach der Aufnahme an die tatsächlichen Zeiten anpassen.) [00:00] Intro: Die Rechnung, die nicht aufgeht [01:52] Zwei Fragen, die ständig verwechselt werden [05:01] Drei Menschen, die durch jedes Raster fallen [09:44] Druck und Zwerchfell: was die Anamnese nicht abfragt [14:40] Das Tempo deines Magens – und die Abnehmspritze [18:35] Disposition oder Verstärker: die entscheidende Trennung [20:33] Outro Links Tool Zwerchfell & Entspannung: https://magenkompass.de/tool-zwerchfell-entspannung/ Kostenloses E-Book Zwerchfelltraining: https://magenkompass.de/newsletter-mit-e-book/ Typen-Test: https://magenkompass.de/typen-test-lp/ Orientierungsgespräch: https://magenkompass.de/einzelberatungen/
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00:00:00: Ich fange heute mit einer Rechnung an, die nicht aufgeht. Stell dir jemanden
00:00:06: vor, der zu mir ins Gespräch kommt. Nichtraucherin, trinkt keinen Alkohol,
00:00:11: auch nicht am Wochenende, isst um halb sieben zu Abend, nicht um elf, Normalgewicht,
00:00:18: seit 20 Jahren stabil, Blutwerte unauffällig.
00:00:23: Magenspiegelung ohne Befund und auf jedem Fragebogen, den
00:00:27: sie je ausgefüllt hat, steht sie in der grünen Spalte.
00:00:32: Und trotzdem Kloß im Hals seit 14 Monaten, räuspern, 20, 30 Mal am Tag.
00:00:39: Morgens eine Stimme, die erst nach einer Stunde wieder funktioniert.
00:00:45: Abends Reizhusten, so zuverlässig wie ein Wecker.
00:00:50: Sie hat alles weggelassen, was auf den Listen stand.
00:00:53: Kaffee weg, Tomaten weg, Zitrusfrüchte weg, Brot weg.
00:00:57: Es ist nicht besser geworden.
00:00:58: Und irgendwann kommt der Satz, den ich in 16 Jahren so oft gehört habe,
00:01:03: dass ich ihn mitsprechen könnte.
00:01:05: Dann mache ich wohl irgendwas falsch, was ich noch nicht gefunden habe.
00:01:11: Nein, macht sie nicht.
00:01:15: Und darum geht es heute.
00:01:26: Du kämpfst mit stillem Reflux und suchst endlich
00:01:29: Antworten, die wirklich Sinn ergeben?
00:01:32: Willkommen bei Stiller Reflux, dem Magenkompass-Podcast.
00:01:35: Ich bin Andy und hier geht es darum, stillen Reflux
00:01:38: zu erkennen, neu zu denken und anders zu handeln.
00:01:43: Fundiert, ganzheitlich und alltagstauglich.
00:01:47: Raus aus dem Beschwerdekarussell, hinein in deine Selbstwirksamkeit.
00:01:52: Stiller Reflux, dein Podcast für mehr Verständnis, Balance und Lebensqualität.
00:01:57: Um die Gruppe von Betroffenen, für die das
00:02:00: übliche Reflux-Raster keine Antwort hat.
00:02:03: Wenn du dich da wieder findest, dann ist diese Folge für dich.
00:02:07: Und ich kann dir schon jetzt sagen, das Problem liegt nicht
00:02:11: daran, dass du noch nicht genug weggelassen hast.
00:02:15: Zwei Fragen, die ständig verwechselt werden.
00:02:20: Fangen wir mit dem Raster selbst an.
00:02:23: Was fragt es ab?
00:02:24: Alkohol, Nikotin, Kaffee, späte Mahlzeiten,
00:02:27: Übergewicht, scharfes Essen, Stress.
00:02:31: Wer da durchfällt, bekommt eine Erklärung und eine To-Do-Liste.
00:02:36: Wer sauber durchkommt, bekommt in der Regel einen Säureblocker
00:02:40: und den Rat, es mal mit Entspannung zu versuchen.
00:02:45: Ich will an dieser Stelle ausdrücklich sagen, dieses Raster
00:02:50: ist nicht falsch, diese Faktoren wirken wirklich, das Problem
00:02:55: ist ein anderes: Es ist unvollständig.
00:02:59: Und zwar auf eine Art, die genau die Menschen
00:03:02: trifft, die am sorgfältigsten arbeiten.
00:03:06: Denn diese Faktoren beantworten nur eine von zwei Fragen und
00:03:09: die beiden Fragen werden ständig durcheinandergeworfen.
00:03:14: Frage 1. Wie oft wird bei dir ein Refluxereignis ausgelöst?
00:03:19: Da spielen Alkohol, späte Mahlzeiten, große Portionen tatsächlich mit.
00:03:26: Frage 2. Wie leicht kommt so ein Ereignis
00:03:31: bei dir überhaupt zustande?
00:03:35: Das ist ein Unterschied wie zwischen der Frage,
00:03:38: wie oft jemand gegen eine Tür drückt,
00:03:41: und der Frage, wie fest diese Tür überhaupt schließt.
00:03:46: Zwei Menschen essen dasselbe, trinken dasselbe, schlafen gleich lang.
00:03:51: Der eine merkt nichts.
00:03:54: Die andere hat seit acht Monaten einen Frosch im Hals.
00:03:58: Der Unterschied liegt nicht im Verhalten, er liegt in der Mechanik.
00:04:03: Und jetzt kurz zur Erinnerung, weil das die Grundlage für alles Weitere ist.
00:04:08: Stiller Reflux entsteht nicht, weil ein Schließmuskel dauerhaft schlapp ist.
00:04:14: Er entsteht als Kette von Ereignissen.
00:04:18: Der Magen dehnt sich, die untere Doppelbarriere,
00:04:21: also der untere Speiseröhrenschließmuskel,
00:04:24: zusammen mit den Zwerchfellschenkeln, die ihn von außen umfassen,
00:04:29: gibt in einem Reflexmoment nach.
00:04:32: Gas steigt auf, der obere Schließmuskel öffnet sich über den Rülps-Reflex.
00:04:39: Und was mit dem Gas nach oben kommt, trifft auf
00:04:42: Gewebe, das darauf nicht ausgelegt ist.
00:04:47: Fünf Tore plus eine Verstärkerachse über das Nervensystem,
00:04:51: die auf mehrere dieser Tore gleichzeitig wirkt.
00:04:55: Wenn du das Modell noch nicht kennst, hör dir die Grundlagenfolge dazu an.
00:05:00: Heute geht es um die Frage, die darauf aufbaut.
00:05:03: Warum geht Tor 2 bei dir leichter auf als
00:05:06: bei deinem Kollegen, der dasselbe isst?
00:05:11: Drei Menschen, die durch dieses Raster fallen.
00:05:15: Ich will dir das an drei Typen zeigen.
00:05:18: Das sind keine einzelnen Klientinnen oder Klienten von mir.
00:05:23: Das sind Muster, die mir über die Jahre immer wieder begegnet sind.
00:05:28: Jeder von den dreien würde jeden Lifestyle-Fragebogen mit Bestnote bestehen.
00:05:35: Der erste sitzt am Laptop, acht Stunden am Tag, seit vier Jahren.
00:05:39: Er macht nichts falsch, er isst normal, er trinkt
00:05:43: wenig Alkohol, geht am Wochenende wandern.
00:05:48: Was niemand abfragt, er sitzt zusammengesunken
00:05:51: vor einem Bildschirm, der zu tief steht.
00:05:54: Schultern nach vorn, Brustkorb eingesunken,
00:05:58: der Bauch gefaltet wie ein Akkordeon.
00:06:02: Und er atmet flach, oben in die Rippen, weil unten schlicht kein Platz ist.
00:06:08: Sein Zwerchfell bewegt sich über den ganzen Arbeitstag praktisch nicht.
00:06:13: Dazu kommt etwas, das er von sich aus nie erwähnen würde,
00:06:17: weil es ihm nicht wie ein medizinisches Thema vorkommt.
00:06:22: Er weiß seit Monaten nicht, ob es seine Stelle nächstes Jahr noch gibt.
00:06:27: Er hat das niemandem gesagt, sich selbst eigentlich auch nur halb.
00:06:33: Und jetzt pass auf, weil das der Punkt ist, an dem ich sehr genau sein will.
00:06:39: Ich sage damit nicht, dass er innerlich verkrampft
00:06:42: ist und deshalb selbst schuld.
00:06:45: Das wäre nur eine elegantere Version derselben Schuldzuweisung,
00:06:49: die er vorher übers Essen bekommen hat.
00:06:52: und eine besonders gemeine, weil man sich dagegen nicht wehren kann.
00:06:57: Ich sage etwas anderes.
00:06:59: Bei ihm liegt ein körperlicher Befund vor, fixiertes
00:07:03: Zwerchfell, erhöhter Druck im Bauchraum,
00:07:06: ein Nervensystem, das seit Monaten nicht runterfährt,
00:07:10: drei Faktoren, die alle auf dieselben Tore wirken.
00:07:15: Und keiner davon steht auf irgendeinem Fragebogen.
00:07:20: Die zweite hat das Problem gelöst, indem sie es eingegrenzt hat. Immer
00:07:25: dasselbe Frühstück, immer dasselbe Mittagessen, zwei Abendessen im Wechsel.
00:07:30: Die Logik dahinter kenne ich gut und sie ist absolut nachvollziehbar,
00:07:35: wenn ich nichts variiere, mache ich auch nichts falsch.
00:07:41: Dazu ein Regal voller Nahrungsergänzungsmittel, weil
00:07:44: man ja nichts auslassen will, was helfen könnte.
00:07:48: Ihr Ernährungstagebuch ist vorbildlich.
00:07:53: Ich habe selten so saubere Aufzeichnungen gesehen.
00:07:57: Was das Tagebuch nicht zeigt,
00:07:59: eine über Monate extrem eingeengte Lebensmittelauswahl
00:08:05: verändert die Zusammensetzung der Darmflora.
00:08:09: Und damit verändert sich, wie viel Gas im Bauchraum entsteht
00:08:13: und wie es sich verteilt.
00:08:16: Gas im Bauchraum ist bei stillem Reflux kein Nebenschauplatz.
00:08:21: Es ist der Treibstoff für Tor 1 und Tor 3.
00:08:26: Die Kontrolle, die ihr Sicherheit geben soll,
00:08:28: ist selbst zu einem Faktor geworden.
00:08:32: Nicht, weil sie sich falsch verhält, sondern weil immer dasselbe
00:08:37: im Körper etwas anderes bedeutet als immer richtig.
00:08:43: Und der dritte, der ist Sportler, sechs Einheiten die Woche, Ernährung auf
00:08:48: das Gramm genau, kein Alkohol, kein Zucker, definierte Bauchmuskeln.
00:08:54: Er ist der gesündeste Mensch in jedem Raum, den er betritt.
00:08:57: Und er kann inzwischen kaum noch trainieren, weil ihm nach 20
00:09:01: Minuten Bauchtraining der Reflux bis in den Hals steht.
00:09:05: Bei ihm kommt einiges zusammen, schweres Training
00:09:08: mit Pressatmung, gezieltes Bauchmuskeltraining.
00:09:12: häufig ziemlich bald nach dem Essen, hochdosierte Pre-Workout-Booster und bei
00:09:19: einem Teil dieser Gruppe Substanzen, über die er mit keinem Arzt spricht.
00:09:27: Bei ihm ist nicht der Sport das Problem,
00:09:30: der Druck ist es. Druck und Zwerchfell.
00:09:34: Damit sind wir beim ersten großen Bereich,
00:09:36: den die Standardanamnese nicht abfragt.
00:09:40: Die untere Barriere ist beim stillen Reflux keine einzelne Muskelmanschette.
00:09:46: Es ist ein Zusammenspiel: der untere Speiseröhrenschließmuskel und
00:09:50: die Zwerchfellschenkel, die ihn von außen umfassen.
00:09:55: Wichtig dabei, du kannst diesen Schließmuskel nicht willkürlich anspannen
00:10:00: wie einen Bizeps, aber er ist über seine Reflexe modulierbar.
00:10:06: Und genau deshalb ist alles relevant, was auf
00:10:10: Zwerchfell und Bauchinnendruck wirkt.
00:10:14: Nehmen wir die Haltung, wer über Stunden zusammengesunken sitzt,
00:10:18: verkürzt den Abstand zwischen Rippenbogen und Becken.
00:10:22: Der Bauchraum wird kleiner, der Druck darin steigt,
00:10:25: das Zwerchfell verliert seinen Bewegungsspielraum.
00:10:28: und wer dann noch flach in den oberen Brustkorb atmet,
00:10:32: nimmt dem Zwerchfell die letzte regelmäßige Übung,
00:10:35: die es im Alltag überhaupt noch hätte.
00:10:38: Das ist keine Haltungskosmetik, das ist Mechanik.
00:10:44: Und an dieser Stelle habe ich eine gute Nachricht,
00:10:47: weil die Studienlage hier wirklich gut ist.
00:10:49: Gezieltes Zwerchfelltraining verbessert bei
00:10:52: Refluxbetroffenen die Beschwerden messbar.
00:10:56: Das ist einer der am besten untersuchten,
00:10:59: nicht-medikamentösen Ansätze überhaupt.
00:11:03: mit einer randomisiert kontrollierten Studie aus
00:11:07: 2012 und mittlerweile einer Meta-Analyse dazu.
00:11:12: Ein Detail, das in der Umsetzung entscheidend ist und das viele falsch machen.
00:11:18: Zwerchfellatmung wirkt beim stillen Reflux am besten direkt nach dem Essen.
00:11:25: Nicht auf nüchternen Magen, genau in der Phase, in der die
00:11:29: Magendehnung am größten und Tor 2 am anfälligsten ist.
00:11:36: Jetzt zum Sportler.
00:11:37: Bei körperlicher Belastung steigt der Druck im
00:11:40: Bauchraum und Refluxereignisse nehmen zu.
00:11:44: Das ist nicht bei jeder Sportart gleich stark.
00:11:47: In einer Untersuchung an trainierten Sportlern hatten Gewichtheber
00:11:51: deutlich mehr Refluxereignisse als Radfahrer.
00:11:54: Laufen lag dazwischen.
00:11:57: Für dich heißt das nicht, hör auf mit dem Sport.
00:12:00: Es heißt, die Kombination aus vollem Magen, Pressatmung und gezielter
00:12:05: Bauchmuskelarbeit ist die ungünstigste, die es gibt.
00:12:10: Wer diese drei Dinge zeitlich entkoppelt, bekommt
00:12:13: oft einen großen Teil seines Trainings zurück.
00:12:18: Und dann die Substanzen, über die selten geredet wird.
00:12:22: Hochdosiertes Koffein, wie es in Pre-Workout-Produkten
00:12:27: steckt, senkt den Druck im unteren Schließmuskel.
00:12:32: Das gilt als gesichert. Bei Beta-2-Sympathomimetika
00:12:37: wie Clenbuterol, die im Fitnessbereich zur
00:12:42: Fettreduktion missbraucht werden, ist derselbe Effekt
00:12:46: aus der Asthma-Forschung gut dokumentiert.
00:12:50: Diese Substanzklasse entspannt glatte Muskulatur und der untere
00:12:54: Schließmuskel besteht zu Teilen aus glatter Muskulatur.
00:13:00: Für anabole Steroide ist die Datenlage zum Reflux dünn, da gibt es klinische
00:13:06: Beobachtungen, aber keine belastbaren Studien am Menschen.
00:13:11: Ich sage das trotzdem offen, weil dieses Thema von selbst nie zur Sprache kommt
00:13:15: und weil niemandem geholfen ist, wenn wir so tun, als gäbe es das nicht.
00:13:21: Und dann gibt es die Ausgangslage, die du dir nicht ausgesucht hast.
00:13:26: Ein Zwerchfellbruch verschiebt die beiden Anteile
00:13:29: der unteren Barriere gegeneinander.
00:13:31: Sie arbeiten dann nicht mehr am selben Ort.
00:13:35: Viele Menschen haben einen kleinen Zwerchfellbruch
00:13:38: und merken ihr Leben lang nichts davon.
00:13:41: Andere haben denselben Befund und massive Beschwerden.
00:13:45: Der Befund alleine entscheidet also nichts.
00:13:48: Er verschiebt die Schwelle.
00:13:50: Ähnlich ist es beim Bindegewebe.
00:13:52: Menschen mit ausgeprägter Gelenkbeweglichkeit haben überdurchschnittlich
00:13:57: häufig Beschwerden im oberen Verdauungstrakt, nämlich
00:14:01: Reflux- und Schluckbeschwerden.
00:14:05: Wenn du dich immer für besonders gelenkig gehalten hast und gleichzeitig
00:14:10: seit Jahren mit dem Hals kämpfst, das könnte zusammenhängen.
00:14:16: Beides kannst du nicht ändern. Beides erklärt aber,
00:14:19: warum bei dir aufgeht, was bei anderen zubleibt.
00:14:24: Das Tempo deines Magens und die Abnehmspritze.
00:14:29: Zweiter großer Bereich, Tor 1, die Magendehnung.
00:14:33: Je länger der Mageninhalt liegen bleibt, desto länger besteht die Dehnung,
00:14:39: desto häufiger die Reflexmomente, in denen die untere Barriere nachgibt.
00:14:46: Die Menge, die du isst, ist dabei nur die eine Hälfte. Die andere
00:14:50: ist die Geschwindigkeit, mit der dein Magen sich entleert.
00:14:56: Und die wird von Dingen beeinflusst, die mit
00:14:58: Ernährung überhaupt nichts zu tun haben.
00:15:01: Eine ganze Reihe häufig verordneter Medikamente verlangsamt die
00:15:05: Magenentleerung oder senkt den Druck im unteren Schließmuskel.
00:15:11: Anticholinergika, Opioide, Kalziumantagonisten,
00:15:16: bestimmte Antidepressiva.
00:15:20: Wer so etwas nimmt, hat eine verschobene Ausgangslage,
00:15:24: ohne dass am Lebensstil irgendetwas auffällig wäre.
00:15:30: Ganz wichtig, setz bitte niemals eigenmächtig etwas ab,
00:15:35: aber bring das Thema aktiv ins Arztgespräch ein.
00:15:40: Wenn dein Reflux zeitlich zu einer Medikamentenumstellung passt, zum Beispiel.
00:15:46: Diese Verbindung wird selten von allein hergestellt.
00:15:51: Und jetzt zu dem Punkt, über den ich in dieser Folge am längsten
00:15:54: nachgedacht habe, weil er so viele Menschen betrifft.
00:15:59: GLP-1-Rezeptoragonisten, die Abnehmspritzen, Semaglutid,
00:16:06: Liraglutid, Tirzepatid und verwandte Wirkstoffe.
00:16:12: Wie wirken die unter anderem? Sie verlangsamen die Magenentleerung.
00:16:18: Genau das ist ihr Prinzip. Der Magen bleibt länger gefüllt,
00:16:22: das Sättigungsgefühl hält an, man isst weniger.
00:16:28: Und genau das ist, wenn du es durch die Brille des Tore-Modells
00:16:33: anschaust, ein direkter Eingriff an Tor 1.
00:16:37: Es gibt dazu eine große Kohortenstudie aus dem letzten Jahr,
00:16:43: rund 24.700 Anwenderinnen und Anwender im Vergleich zu rund
00:16:48: 89.100 Vergleichspersonen, über etwa drei Jahre.
00:16:54: Das Risiko für eine Refluxerkrankung war um 27
00:16:58: % erhöht, das Risiko für Refluxkomplikationen
00:17:02: um 55 %.
00:17:06: Zwei ehrliche Einschränkungen dazu, die mir wichtig
00:17:09: sind: Diese Studie wurde an Menschen
00:17:12: mit Typ-2-Diabetes gemacht, nicht an Abnehmwilligen ohne Diabetes.
00:17:19: Und sie hat die klassische Refluxkrankheit untersucht,
00:17:22: nicht gezielt den stillen Reflux.
00:17:26: Die Übertragung auf unsere Gruppe ist plausibel,
00:17:29: aber sie ist nicht direkt belegt.
00:17:32: Ich will da sauber bleiben. Und warum ist mir das trotzdem so wichtig?
00:17:38: Weil hier eine Gruppe von Menschen sitzt, die nach
00:17:41: jeder gängigen Logik alles richtig macht.
00:17:44: die reduzieren ihr Gewicht, also genau den Faktor,
00:17:47: der auf jedem Reflux-Fragebogen ganz oben steht.
00:17:52: Die machen das, was ihnen alle empfehlen und ein
00:17:55: Teil von ihnen entwickelt dabei Beschwerden im
00:17:57: Hals, die niemand mit dem Medikament in Verbindung
00:18:01: bringt, weil das Medikament ja der Lösungsteil
00:18:04: sein soll, nicht der Problemteil. Wenn dein stiller
00:18:08: Reflux zeitlich mit dem Beginn oder einer
00:18:12: Dosissteigerung zusammenfällt, sprich darüber. Das ist kein
00:18:16: Grund zur Panik und es ist erst recht kein Grund, etwas
00:18:21: eigenmächtig abzusetzen, aber es ist ein Gespräch wert.
00:18:28: Disposition oder Verstärker. Ich komme zum wichtigsten Teil
00:18:32: und der ist ganz praktisch. Aus allem, was ich heute
00:18:36: erzählt habe, folgt eine Unterscheidung, die deine ganze
00:18:39: Strategie verändert. Es gibt zwei Sorten von
00:18:42: Faktoren. Das eine ist Disposition. Zwerchfellbruch,
00:18:47: Bindegewebe, Anatomie, Alter, Medikamente, die du
00:18:51: brauchst. Die änderst du nicht. Du lernst sie kennen,
00:18:56: damit du weißt, wie viel Puffer du hast.
00:18:59: Das andere sind Verstärker, Zwerchfellbeweglichkeit,
00:19:04: Atemmuster, Haltung, Esstempo, Gasbildung,
00:19:10: Trainingstiming. Die Regulationsfähigkeit deines
00:19:14: Nervensystems, die liegen sehr wohl in deiner
00:19:17: Hand und die sind der Grund, warum stiller Reflux
00:19:21: auch bei ungünstiger Ausgangslage mattzusetzen
00:19:25: ist. Der Denkfehler, in dem so viele Betroffene feststecken,
00:19:31: ist folgender. Sie behandeln eine Disposition
00:19:35: wie einen Verstärker. Sie kämpfen jahrelang gegen etwas
00:19:38: an, das sich nicht ändern lässt und wundern
00:19:41: sich, dass die Anstrengung nichts bringt. Und dann ziehen
00:19:45: sie daraus den Schluss, sie hätten sich noch
00:19:47: nicht genug angestrengt. Wer seine Disposition kennt,
00:19:51: hört auf, gegen die falsche Sache anzukämpfen.
00:19:55: Das ist keine Resignation, es ist der Moment,
00:19:58: in dem die Arbeit anfängt zu wirken.
00:20:02: Und der Satz, mit dem ich dich heute rauslassen
00:20:05: will, ist dieser: Wenn du durch jedes Raster
00:20:08: fällst, heißt das nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.
00:20:12: Es heißt, dass das Raster das falsche misst.
00:20:18: Wenn du dich in einem der drei Typen wiedererkannt
00:20:21: hast, dann fang nicht mit der Ernährung
00:20:23: an. Fang mit dem Zwerchfell an. Das ist der Punkt,
00:20:27: an dem Disposition und Verstärker sich
00:20:30: überschneiden. Und der Punkt, an dem du am schnellsten
00:20:35: etwas merkst. Mein kostenloses E-Book
00:20:39: zum Zwerchfelltraining zeigt dir die Basisübungen
00:20:43: und wann du sie einsetzt. Den Link findest du in
00:20:46: den Shownotes. Wenn du systematisch an Zwerchfell, Druck
00:20:51: und Regulation arbeiten willst, ist das Tool
00:20:54: Zwerchfell und Entspannung der nächste Schritt. Auch
00:20:58: der Link steht unten. Danke, dass du dabei
00:21:02: warst und wenn du jemanden kennst, der seit Jahren
00:21:04: alles richtig macht und trotzdem nicht
00:21:06: weiterkommt, schick ihm diese Folge. Manchmal ist die
00:21:09: größte Erleichterung nicht eine neue Maßnahme,
00:21:12: sondern die Nachricht, dass man nicht schuld ist. Bis zur nächsten Folge.
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