Stiller Reflux im Herbst

Shownotes

Die Heizung läuft, um dich herum hustet jemand, und plötzlich kratzt es im Hals. Ist das eine Erkältung – oder meldet sich dein Stiller Reflux zurück? Und warum bleibt das Räuspern oft noch Wochen, nachdem der Infekt längst abgeklungen ist? In dieser Folge erfährst du:

  • warum der Herbst gleich an mehreren Toren des Erklärmodells ansetzt: am Gewebe im Hals, über den Husten an der unteren Barriere und über dein Nervensystem
  • woran du eine Erkältung von Stillem Reflux unterscheiden kannst – und warum das nicht immer sauber gelingt
  • warum Husten nach einem Infekt bis zu acht Wochen normal sein kann und wie sich ein Kreislauf aus Husten, Reflux und gereizter Schleimhaut festsetzt
  • was es mit der Überempfindlichkeit des Kehlkopfs auf sich hat
  • warum Räuspern die Reizung verlängert und welcher kleine Trick es ersetzt
  • wann du mit Heiserkeit oder Husten nicht länger warten, sondern zur HNO gehen solltest Alle Aussagen sind nach Evidenz eingeordnet: was belegt ist, was plausibel ist und was aus der Praxis kommt. So weißt du immer, wie belastbar ein Tipp ist.

00:00:00 Intro 00:02:07 Warum der Herbst an mehreren Stellen gleichzeitig drückt https://magenkompass.de/das-erklaermodell-wie-stiller-reflux-wirklich-entsteht/ 00:05:07 Erkältung oder Stiller Reflux – so unterscheidest du beides 00:07:29 Warum der Hals nach dem Infekt nicht zur Ruhe kommt 00:09:39 Überempfindlicher Kehlkopf und die Falle Räuspern 00:11:22 Was du jetzt tun kannst https://magenkompass.de/newsletter-mit-e-book/ 00:13:44 Warum ich keine Mittel aus der Apotheke empfehle 00:15:43 Wann du zur HNO gehen solltest 00:17:25 Zum Schluss https://magenkompass.de/reflux-toolkit-und-members-circle/

Die Quellen zu dieser Folge findest du im Artikel auf magenkompass.de. Musik: Ronald Kah (bearbeitet), https://ronaldkah.de/ – Lizenz: CC BY 4.0 Links Reflux-Tool-Kit: https://magenkompass.de/reflux-toolkit-und-members-circle/ Kostenloses E-Book Zwerchfelltraining: https://magenkompass.de/newsletter-mit-e-book/ Das Erklärmodell – wie Stiller Reflux wirklich entsteht: https://magenkompass.de/das-erklaermodell-wie-stiller-reflux-wirklich-entsteht/

Transkript anzeigen

00:00:01: Hallo und herzlich willkommen beim Magenkompass-Podcast.

00:00:04: Ich bin Andrea Kuhl, Medizinjournalistin und Beraterin für Stillen Reflux.

00:00:09: Es ist Herbst, die Heizung läuft wieder, die Tage werden kürzer

00:00:14: und irgendwer im Büro, in der Familie oder in der Bahn hustet immer.

00:00:19: Und dann kratzt es bei dir im Hals, du räusperst dich.

00:00:23: Morgens klingt die Stimme belegt und du fragst dich:

00:00:26: Ist das jetzt eine Erkältung oder ist das mein Stiller Reflux,

00:00:29: der sich wieder meldet?

00:00:32: Vielleicht kennst du auch die zweite Variante dieser Geschichte.

00:00:35: Die Erkältung war da und sie ist auch wieder gegangen.

00:00:39: Fieber weg, Schnupfen weg.

00:00:41: Aber dein Hals ist nicht wieder der alte geworden.

00:00:43: Du räusperst dich seit Wochen, der Hustenreiz will nicht aufhören

00:00:48: und das Kloßgefühl ist zurück.

00:00:51: Genau darum geht es heute.

00:00:53: Ich erkläre dir, warum der Herbst an mehreren Stellen gleichzeitig auf

00:00:56: deinen Stillen Reflux drückt,

00:00:58: wie du eine Erkältung von deinem Stillen Reflux unterscheidest und warum das

00:01:03: manchmal gar nicht sauber geht,

00:01:06: warum die Beschwerden nach einem Infekt so hartnäckig bleiben können und was

00:01:10: du ganz konkret tun kannst,

00:01:12: damit aus einem Herbstinfekt kein Winter voller Räuspern wird.

00:01:17: Und am Ende sage ich dir, wann du mit deinem Hals nicht länger warten,

00:01:21: sondern zum HNO gehen solltest.

00:01:35: Du kämpfst mit Stillem Reflux und suchst endlich Antworten,

00:01:38: die wirklich Sinn ergeben?

00:01:41: Willkommen bei Stiller Reflux, dem Magenkompass-Podcast.

00:01:44: Ich bin Andy und hier geht es darum, Stillen Reflux zu erkennen,

00:01:48: neu zu denken und anders zu handeln.

00:01:52: Fundiert, ganzheitlich und alltagstauglich.

00:01:56: Raus aus dem Beschwerdekarussell, hinein in deine Selbstwirksamkeit.

00:02:01: Stiller Reflux, dein Podcast für mehr Verständnis,

00:02:04: Balance und Lebensqualität.

00:02:07: Wenn du die letzten Folgen gehört hast,

00:02:09: kennst du mein Erklärmodell mit den fünf Toren.

00:02:13: Stiller Reflux entsteht nicht an einer einzigen Stelle, sondern als Abfolge.

00:02:19: Wenn du das Modell noch nicht kennst, findest du den Link in den Shownotes.

00:02:24: Für heute reicht ein Gedanke:

00:02:27: Der Herbst setzt nicht an einem Tor an, sondern an mehreren gleichzeitig.

00:02:33: Das erste ist das letzte Tor, das Gewebe in deinem Hals.

00:02:37: Jeder Atemwegsinfekt greift die Schleimhaut an.

00:02:41: Das ist gut untersucht.

00:02:43: Nach einem Virusinfekt ist die Oberfläche der Atemwege entzündet und

00:02:48: stellenweise regelrecht beschädigt.

00:02:51: Und eine gereizte Schleimhaut reagiert auf alles stärker.

00:02:56: Auch auf kleine Mengen Reflux, die sie vorher gar nicht bemerkt hätte.

00:03:00: Dazu kommt die Heizungsluft.

00:03:03: Im Sommer habe ich dir von der Klimaanlage erzählt,

00:03:06: im Herbst übernimmt die Heizung diese Rolle.

00:03:09: Trockene Luft trocknet die Schleimhaut aus.

00:03:11: Wie stark das beim Menschen ins Gewicht fällt,

00:03:14: ist allerdings nicht gut untersucht.

00:03:16: Es gibt eine Laborstudie an Kehlköpfen von Schafen.

00:03:20: Bei trockener Luft wurde die Schleimhaut steifer und zäher.

00:03:23: Das ist plausibel, aber eben eine Tierstudie.

00:03:28: Ich nenne sie dir als Hinweis, nicht als Beweis.

00:03:32: Der zweite Angriffspunkt ist der Husten selbst.

00:03:37: Bei kräftigem Husten presst du.

00:03:40: Der Druck im Bauch steigt und dieser Druck lastet auf der unteren Barriere.

00:03:45: Die amerikanische Leitlinie zum Husten nach Infekten nennt Reflux

00:03:50: ausdrücklich als mögliche Folge von heftigem Husten.

00:03:55: Und dann ist da die Verstärkerachse, also dein Nervensystem.

00:03:59: Weniger Licht, weniger Bewegung draußen, dafür das Gefühl,

00:04:02: dass bis zum Jahresende noch alles erledigt werden muss.

00:04:06: Ein Infekt ist für deinen Körper außerdem selbst Stress.

00:04:10: Und wer nachts hustet, schläft schlecht.

00:04:13: Das alles dreht die Empfindlichkeit hoch und schlechter Schlaf wirkt nach.

00:04:18: Wenn du die Folge darüber gehört hast,

00:04:20: warum Stiller Reflux morgens oft am schlimmsten ist, weißt du,

00:04:24: wie eng Schlaf, Stresshormone und Beschwerden am Morgen zusammenhängen.

00:04:30: Eine Woche mit nächtlichem Husten reicht,

00:04:32: um dieses Gleichgewicht durcheinanderzubringen.

00:04:35: Dafür gibt es keine Herbst-Studie, das ist das,

00:04:39: was ich in meiner Arbeit immer wieder sehe.

00:04:42: Aber es passt zu dem, was wir über Stress und Reizwahrnehmung wissen.

00:04:48: Was dagegen im Herbst für die meisten von euch keine Rolle spielt,

00:04:52: sind die üppigen Mahlzeiten,

00:04:54: von denen man in Reflux-Ratgebern so viel liest.

00:04:57: Das betrifft eher den klassischen Reflux.

00:05:00: Bei Stillem Reflux liegen die Hebel woanders.

00:05:07: Die ehrliche Antwort zuerst:

00:05:09: Man kann Erkältung und Stillen Reflux nicht immer sauber auseinanderhalten.

00:05:15: Die Beschwerden überschneiden sich.

00:05:18: Räuspern, Hustenreiz, eine belegte Stimme, das Gefühl,

00:05:21: dass etwas im Hals sitzt – das kann beides sein.

00:05:25: Und oft ist beides gleichzeitig da.

00:05:29: Trotzdem gibt es Anhaltspunkte.

00:05:31: Eine Erkältung kommt meist plötzlich, du fühlst dich krank,

00:05:34: manchmal mit leichtem Fieber, die Nase läuft, die Glieder tun weh.

00:05:38: Oft sind Menschen um dich herum ebenfalls erkältet.

00:05:43: Und eine Erkältung hat einen Verlauf.

00:05:46: Sie wird schlimmer, erreicht einen Höhepunkt und dann klingt sie ab,

00:05:51: meistens innerhalb von ein bis zwei Wochen.

00:05:54: Der Stille Reflux verhält sich anders.

00:05:58: Er schleicht sich ein, er kommt und geht, oft über Monate.

00:06:03: Du fühlst dich nicht krank im eigentlichen Sinne – kein Fieber,

00:06:07: keine Gliederschmerzen.

00:06:09: Der Schleim sitzt im Hals, ohne dass die Nase läuft.

00:06:12: Die Stimme ist morgens belegt und wird im Lauf des Tages besser.

00:06:16: Und die Beschwerden hängen oft an bestimmten Situationen:

00:06:19: an stressigen Wochen, an bestimmten Tageszeiten, an Phasen,

00:06:22: in denen du schlecht schläfst.

00:06:25: Eine Sache macht die Unterscheidung zusätzlich schwierig und die solltest du

00:06:28: kennen.

00:06:30: Bei einer Erkältung läuft oft Schleim aus dem Nasenrachen hinten den Hals

00:06:35: hinunter.

00:06:37: Fachleute sprechen vom Post-Nasal-Drip.

00:06:40: Das fühlt sich fast genauso an wie der zähe Schleim beim Stillen Reflux.

00:06:46: Du musst dich ständig räuspern, hast das Gefühl, da sitzt etwas.

00:06:51: Und dieser Schleim kann auch, nachdem der Infekt weg ist,

00:06:55: noch eine Weile weiterlaufen, vor allem,

00:06:58: wenn die Nebenhöhlen mitbetroffen waren.

00:07:01: Wenn du also nach einer Erkältung Schleim im Hals hast,

00:07:04: ist das nicht automatisch ein Rückfall in deinen Stillen Reflux.

00:07:09: Und dann gibt es einen dritten Fall und der ist für heute der wichtigste:

00:07:13: Die Erkältung klingt ab, aber der Hals nicht.

00:07:17: Fieber und Schnupfen sind weg,

00:07:18: das Räuspern und der Hustenreiz bleiben einfach da.

00:07:22: Dann lautet die Frage nicht mehr: Erkältung oder Reflux?

00:07:26: Dann lautet sie: Was hält das Ganze am Laufen?

00:07:29: Warum der Hals nach dem Infekt nicht zur Ruhe kommt

00:07:35: Da kommt zunächst eine beruhigende Nachricht:

00:07:39: Dass Husten und Reizung nach einem Infekt noch eine Weile bleiben,

00:07:43: ist normal.

00:07:44: Die amerikanische Fachgesellschaft der Lungenärzte hat dafür sogar einen

00:07:49: eigenen Begriff: den postinfektiösen Husten.

00:07:53: Gemeint ist ein Husten, der nach einem Atemwegsinfekt länger als drei Wochen

00:07:57: anhält, aber nicht länger als acht.

00:08:01: Die Schleimhaut braucht Zeit, um sich zu reparieren,

00:08:05: und in dieser Zeit reagieren die Hustenrezeptoren empfindlicher als sonst.

00:08:11: Bei Stillem Reflux kommt aber etwas hinzu.

00:08:14: Hier kann sich ein Kreislauf festsetzen und den will ich dir einmal Schritt

00:08:18: für Schritt aufzeichnen.

00:08:21: Schritt 1: Der Infekt reizt die Schleimhaut im Hals.

00:08:25: Schritt 2: Du hustest und räusperst dich viel.

00:08:29: Schritt 3: Das Husten erhöht den Druck im Bauch und das kann Reflux

00:08:34: begünstigen.

00:08:35: Schritt 4: Der Reflux trifft auf eine Schleimhaut,

00:08:39: die ohnehin schon gereizt ist, und sie reagiert stärker.

00:08:44: Und Schritt 5: Du hustest und räusperst dich noch mehr.

00:08:49: Siehst du, wie sich das schließt?

00:08:51: Der Infekt hat den Kreislauf angestoßen,

00:08:54: aber er braucht den Infekt nicht mehr, um weiterzulaufen.

00:08:58: Ich beschreibe dir ein Muster, das ich immer wieder sehe.

00:09:01: Das ist keine einzelne Person, sondern ein Bild aus vielen Begleitungen.

00:09:05: Jemand hat im Oktober eine ganz normale Erkältung.

00:09:09: Weil gerade viel los ist, geht es nach drei Tagen wieder zur Arbeit,

00:09:13: mit Hustenbonbons und einigem an Kaffee.

00:09:16: Die Erkältung klingt ab, aber Wochen später ist das Räuspern immer noch da.

00:09:22: Die Stimme ist nach langen Telefonaten immer noch weg und das Kloßgefühl

00:09:26: meldet sich zurück.

00:09:28: Und dann kommt der Gedanke: Mein Stiller Reflux ist zurück,

00:09:32: alles war umsonst.

00:09:34: Dabei ist das, was da passiert,

00:09:35: gut erklärbar und es lässt sich wieder beruhigen.

00:09:39: Der zweite Mechanismus ist subtiler.

00:09:42: In der Fachliteratur spricht man von einer Überempfindlichkeit des

00:09:47: Kehlkopfes.

00:09:49: Der Kehlkopf reagiert dann auf Reize, die eigentlich harmlos sind:

00:09:54: kalte Luft, Sprechen, Lachen, ein Duft, ein Hauch trockener Heizungsluft.

00:09:59: Als Auslöser werden vor allem zwei Dinge genannt: Virusinfekte und Reflux.

00:10:05: Bei Stillem Reflux kommt im Herbst also beides zusammen.

00:10:09: Wie genau diese Überempfindlichkeit entsteht, ist noch nicht geklärt.

00:10:14: Das sage ich dir ganz offen: plausibel, aber nicht abschließend belegt.

00:10:19: Interessant finde ich, was als Behandlung empfohlen wird,

00:10:23: nämlich vor allem Stimm- und Sprachtherapie.

00:10:27: Also Arbeit an der Reaktion des Kehlkopfes,

00:10:31: nicht in erster Linie Medikamente.

00:10:33: Und der dritte Punkt ist einer, den ich in meiner Arbeit immer wieder sehe:

00:10:39: das Räuspern.

00:10:40: Räuspern fühlt sich an wie eine Lösung, es befreit für einen Moment,

00:10:46: aber beim Räuspern schlagen die Stimmlippen hart aufeinander.

00:10:50: Die gereizte Schleimhaut wird noch einmal mechanisch belastet,

00:10:54: das Fremdkörpergefühl kommt zurück und du räusperst dich wieder.

00:11:00: Das ist ein zweiter kleiner Kreislauf innerhalb des großen.

00:11:04: Deshalb haben manche von euch nach einem Infekt das Gefühl,

00:11:08: der Stille Reflux sei plötzlich schlimmer als je zuvor.

00:11:11: Er ist nicht unbedingt stärker geworden, aber das Gewebe, auf das er trifft,

00:11:16: ist empfindlicher.

00:11:18: Und die Kreisläufe halten sich gegenseitig am Leben.

00:11:22: Jetzt zum praktischen Teil und ich fange mit dem Tipp an,

00:11:27: der am meisten verändert, obwohl er so klein ist.

00:11:31: Ersetze das Räuspern.

00:11:33: Wenn der Drang kommt,

00:11:36: schluck stattdessen einmal kräftig, ganz bewusst einmal hart schlucken,

00:11:41: und danach nimmst du einen kleinen Schluck Wasser.

00:11:45: Warum das funktioniert?

00:11:46: Beim Schlucken hebt sich der Kehlkopf, der Schleim wird mitgenommen,

00:11:50: aber die Stimmlippen schlagen nicht hart aufeinander.

00:11:54: Und das Wasser befeuchtet die Schleimhaut und spült nach.

00:11:58: Das klingt banal, aber du unterbrichst damit genau den kleinen Kreislauf,

00:12:04: von dem ich eben erzählt habe.

00:12:07: Am Anfang wirst du es oft vergessen, das macht nichts.

00:12:13: Jedes Mal hat die Schleimhaut eine kleine Chance, sich zu beruhigen.

00:12:17: Stell dir ein Glas Wasser an den Schreibtisch und auf den Nachttisch.

00:12:22: Dann ist der Schluck immer in Reichweite.

00:12:25: Zweitens: Kümmere dich um die Luft.

00:12:27: Dreh die Heizung nicht auf Anschlag.

00:12:30: Lüfte regelmäßig kurz und kräftig.

00:12:33: Und achte besonders auf das Schlafzimmer.

00:12:36: Da verbringst du viele Stunden am Stück.

00:12:39: Und trink über den Tag verteilt.

00:12:42: Lieber viele kleine Schlucke als zwei große Gläser.

00:12:46: Drittens: Nimm den Druck raus.

00:12:49: Und damit meine ich nicht nur den Druck im Bauch, sondern auch den im Kopf.

00:12:55: Geh raus, solange es hell ist, auch wenn es nur eine Viertelstunde ist.

00:12:59: Tageslicht und Bewegung an der frischen Luft sind im Herbst keine

00:13:03: Nebensache.

00:13:05: Und wenn du einen Infekt hast, gib dir die Zeit, ihn auszukurieren.

00:13:10: Wer mit halber Kraft weiterarbeitet,

00:13:12: schiebt nicht nur die Erkältung vor sich her,

00:13:15: sondern auch die Reizung im Hals.

00:13:19: Viertens: Sei geduldig mit dem Zeitfenster.

00:13:23: Wenn nach dem Infekt noch ein paar Wochen der Hustenreiz bleibt,

00:13:28: ist es kein Rückfall und kein Zeichen, dass alles umsonst war.

00:13:33: Das ist der normale Heilungsverlauf der Schleimhaut.

00:13:37: Wichtig ist nur, dass du die Kreisläufe in dieser Zeit nicht weiter

00:13:41: anfeuerst.

00:13:44: Und damit komme ich zu einer Frage, die mir ganz sicher gestellt wird:

00:13:49: Warum empfiehlst du nichts Konkretes?

00:13:53: Keinen Hustensaft, keine Lutschtabletten, kein Spray.

00:13:58: Die Antwort ist einfach: Ich empfehle keine Mittel aus der Apotheke.

00:14:02: Kein einziges.

00:14:03: Ausnahmslos.

00:14:06: Und das hat einen Grund.

00:14:07: Was dort gegen Erkältung im Regal steht, ist gemacht,

00:14:10: um der Erkältung zu helfen, nicht deinem Stillen Reflux.

00:14:15: Und manches davon kann den Reflux sogar verstärken.

00:14:19: Menthol und Pfefferminze, die in vielen Bonbons und Tees stecken,

00:14:22: stehen im Verdacht, die untere Barriere zu entspannen.

00:14:26: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure können die

00:14:30: Magenschleimhaut reizen.

00:14:33: Und Kombipräparate enthalten oft Wirkstoffe,

00:14:36: die die Schleimhäute austrocknen, also genau das,

00:14:39: was dein Hals gerade am wenigsten braucht.

00:14:43: Und selbst Nasensprays enthalten oft Konservierungsstoffe,

00:14:47: die eine Schleimhaut zusätzlich reizen können.

00:14:51: Wenn der Stille Reflux schon vorgearbeitet hat, kann das ausreichen.

00:14:56: Übrigens auch dann, wenn auf der Packung „ohne Konservierungsstoffe“ steht.

00:15:00: Das heißt nämlich nicht „ohne Zusätze“.

00:15:04: Das heißt nur, dass keiner der Stoffe drin ist,

00:15:07: die offiziell als Konservierungsstoff gelten.

00:15:11: Wenn du etwas brauchst, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

00:15:16: Und wenn du in der Apotheke stehst, rechne nicht damit,

00:15:19: dass man dort Stillen Reflux kennt.

00:15:23: Nenn ihn ausdrücklich und frag gezielt nach, ob in dem Mittel Menthol,

00:15:28: Pfefferminze, ein Schmerzmittel,

00:15:30: ein austrocknender Wirkstoff oder andere Zusätze stecken.

00:15:35: Und umgekehrt gilt: Medikamente, die du bereits nimmst,

00:15:39: setzt du nicht auf eigene Faust ab.

00:15:43: Wann du zum HNO gehen solltest.

00:15:46: Dieser Teil ist mir besonders wichtig.

00:15:51: Nicht alles, was nach einem Infekt im Hals bleibt, ist Stiller Reflux.

00:15:56: Die amerikanische HNO-Leitlinie zur Heiserkeit ist da klar:

00:16:02: Wenn Heiserkeit nach vier Wochen nicht verschwunden ist,

00:16:05: sollte der Kehlkopf angeschaut werden.

00:16:08: Das heißt: ab in die HNO-Praxis zur Kehlkopfspiegelung.

00:16:13: Keine Sorge, das ist meist eine kurze Untersuchung.

00:16:16: Der Kehlkopf wird mit einer kleinen Optik angeschaut,

00:16:19: entweder durch den Mund oder durch die Nase.

00:16:22: Du bist dabei wach und nach wenigen Minuten ist es vorbei.

00:16:26: Und es gibt Situationen, in denen du keine vier Wochen warten solltest.

00:16:31: Zum Beispiel, wenn du Atemnot hast,

00:16:33: wenn du am Hals eine Schwellung oder einen Knoten tastest,

00:16:38: wenn du rauchst oder lange geraucht hast oder wenn du kürzlich am Hals oder

00:16:44: am Brustkorb operiert wurdest.

00:16:48: Auch Blut beim Husten, anhaltendes Fieber oder Schluckbeschwerden,

00:16:52: die zunehmen, gehören zeitnah in ärztliche Hände.

00:16:58: Und hält der Husten länger als acht Wochen an,

00:17:01: ist das kein postinfektiöser Husten mehr.

00:17:05: Dann wird er ebenfalls abgeklärt.

00:17:08: Das ist keine Panikmache.

00:17:09: In den allermeisten Fällen steckt nichts Ernstes dahinter,

00:17:14: aber eine Abklärung gibt dir Sicherheit und mit dieser Sicherheit kannst du

00:17:19: dich dann mit mehr Ruhe um deinen Stillen Reflux kümmern.

00:17:25: Lass uns kurz zusammenfassen.

00:17:27: Der Herbst drückt an mehreren Stellen gleichzeitig:

00:17:30: auf das Gewebe in deinem Hals,

00:17:32: über den Husten auf die untere Barriere und über dein Nervensystem auf die

00:17:38: Empfindlichkeit.

00:17:40: Nach einem Infekt können sich Kreisläufe festsetzen,

00:17:43: die ohne den Infekt weiterlaufen.

00:17:46: Und der kleinste Hebel ist oft der wirksamste:

00:17:49: hart schlucken statt räuspern, danach ein kleiner Schluck Wasser.

00:17:54: Wenn du deinen Stillen Reflux nicht nur durch den Herbst bringen,

00:17:58: sondern an allen Toren gezielt angehen willst,

00:18:01: dann schau dir das Reflux-Tool-Kit an.

00:18:04: Da findest du die Werkzeuge, um Schritt für Schritt vorzugehen.

00:18:09: Den Link findest du in den Shownotes.

00:18:13: Und den Artikel zu dieser Folge mit allen Quellen findest du auf

00:18:17: magenkompass.de.

00:18:18: Ich wünsche dir einen ruhigen Herbst und einen freien Hals.

00:18:23: Bis zum nächsten Mal.

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