Episode 6:verspannte Halsmuskeln und Stiller Reflux - der überraschende Zusammenhang

Shownotes

Timestamps 00:00 Intro – Willkommen beim Magenkompass-Podcast 01:30 Das mysteriöse Kloßgefühl – Kennst du das auch? 03:00 Wie entstehen verspannte Halsmuskeln? 05:30 Die "Smartphone-Haltung" und ihre Folgen 08:00 Stress als Verstärker der Verspannungen 10:30 Der Zusammenhang zwischen Fehlhaltung und Stillem Reflux 13:00 Die Wechselwirkung: Ein perfekter Teufelskreis 15:30 Das Kloßgefühl (Globusgefühl) – der Star unter den Symptomen 17:00 Warum "Globus hystericus" zu kurz greift 18:30 Anatomie: Was passiert im Kehlkopf? 20:00 Lösungsansätze – Was du konkret tun kannst 24:00 Zusammenfassung und ermutigende Worte

Wichtige Themen dieser Folge

✅ Wie Dauerverspannungen im Hals entstehen (Stress, Fehlhaltung, sensomotorische Amnesie) ✅ Der Zusammenhang zwischen schwachem Zwerchfell und Stillem Reflux ✅ Warum der Reflux Muskelverkrampfungen auslöst ✅ Das Globusgefühl und seine wahren Ursachen ✅ Die Rolle der paradoxen Atmung ✅ 6 konkrete Lösungsansätze für den Alltag ✅ Kurzer Hinweis zum Post-Nasal-Drip-Syndrom

Erwähnte Artikel

📖 Stiller Reflux und verspannte Halsmuskeln https://magenkompass.de/stiller-reflux-und-verspannte-halsmuskeln/ 📖 Das Kloßgefühl und der Stille Reflux https://magenkompass.de/das-klossgefuehl-und-der-stille-reflux/ 📖 Post-Nasal-Drip-Syndrom und Stiller Reflux https://magenkompass.de/post-nasal-drip-syndrom-und-stiller-reflux/

Die 6 Lösungsansätze im Überblick

Körperhaltung optimieren – Ergonomischer Arbeitsplatz, Bildschirm auf Augenhöhe, Smartphone-Nutzung bewusst gestalten Bewegung als Ausgleich – Yoga, Tanzen, Spaziergänge, aufrechtes Radfahren Gezielte Entspannung – Progressive Muskelentspannung, Hanna-Somatics, Pohl-Therapie Atmung korrigieren – Paradoxe Atmung erkennen und umtrainieren, Zwerchfellatmung üben Summen, Brummen, Singen – Vibrationen lockern die Kehlkopfmuskulatur Selbstmassage & Bindegewebsarbeit – Sanfte Massage des Halses, ggf. professionelle Faszientherapie

Wichtige Begriffe

Globusgefühl / Globus-Syndrom – Medizinischer Begriff für das Kloßgefühl im Hals Laryngopharyngealer Reflux (LPR) – Stiller Reflux Sensomotorische Amnesie – Das Vergessen der normalen Muskelspannung Hiatus-Schlinge – Teil des unteren Speiseröhrenschließmuskels Paradoxe Atmung – Falsche Atemtechnik, die Beschwerden verstärkt Post-Nasal-Drip-Syndrom – Vermehrter Schleimabfluss aus der Nase in den Rachen

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Disclaimer Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultiere bitte immer einen Arzt oder andere qualifizierte Gesundheitsdienstleister.

Transkript anzeigen

Podcast-Sprechtext: Verspannte Halsmuskeln und Stiller Reflux – Wenn der Körper verknotet

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Magenkompass-Podcasts! Ich bin Andrea, und ich freue mich sehr, dass du heute wieder dabei bist.

Heute sprechen wir über ein Thema, das auf den ersten Blick vielleicht überraschend klingt: Was haben verspannte Halsmuskeln mit Stillem Reflux zu tun? Und warum fühlt es sich manchmal an, als hätte man einen Kloß im Hals, der einfach nicht weggehen will?

Wenn du dich gerade fragst: „Moment mal, ich dachte, Stiller Reflux kommt aus dem Magen?" – dann bist du hier genau richtig. Denn wie so oft bei chronischen Beschwerden ist die Wahrheit komplexer und gleichzeitig faszinierender, als man zunächst denkt.

Stell dir vor: Du wachst morgens auf und schon beim ersten Schlucken merkst du – da ist etwas. Ein Druck im Hals. Ein unangenehmes Engegefühl. Vielleicht brennt es auch ein bisschen im Mund und Rachen. Du räusperst dich, hustest, trinkst einen Schluck Wasser – aber das Gefühl bleibt. Als hätte jemand einen Stein in deinem Hals platziert. Oder als würde ein zu enger Schal um deinen Hals liegen.

Das kennst du? Dann bist du in bester Gesellschaft. Viele Menschen, die unter Stillem Reflux leiden, haben genau diese Beschwerden. Und was die wenigsten wissen: Oft stecken dahinter nicht nur aufsteigende Gase aus dem Magen, sondern auch massiv verspannte Muskeln im Halsbereich.

Ich möchte dir heute erklären, wie diese beiden Phänomene zusammenhängen, warum sie sich gegenseitig verstärken können – und natürlich, was du dagegen tun kannst. Denn ja, es gibt Lösungen! Und die beginnen oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

Lass uns zunächst verstehen, wie es überhaupt zu diesen hartnäckigen Verspannungen kommt.

Weißt du, unser Körper ist eigentlich ein Wunderwerk der Evolution. Aber – und das ist ein großes Aber – er ist nicht für unseren modernen Lebensstil gemacht. Unsere Vorfahren sind herumgelaufen, haben gejagt, gesammelt, sich bewegt. Und wir? Wir sitzen. Stundenlang. Am Schreibtisch, am Laptop, am Handy – und dabei schieben wir unseren Kopf nach vorne.

Ich nenne das gerne die „Smartphone-Haltung". Du kennst sie sicher: Kopf gesenkt, Nacken gebeugt, Schultern nach vorne gezogen. Wenn ich ehrlich bin, ertappe ich mich selbst manchmal dabei – und ich beschäftige mich beruflich mit dem Thema! Also keine Sorge, du bist damit nicht allein.

Was passiert dabei in deinem Körper? Der menschliche Kopf wiegt etwa fünf bis sechs Kilogramm. Das entspricht ungefähr dem Gewicht einer Bowlingkugel – stelle dir das mal vor! Und diese Bowlingkugel balanciert normalerweise schön ausbalanciert auf deiner Wirbelsäule. Aber sobald du den Kopf nach vorne schiebst, muss deine Nacken- und Halsmuskulatur diese Last halten. Und das ist anstrengend. Sehr anstrengend.Beim Nach-vorn-Beugen erhöht sich nicht das tatsächliche Gewicht, sondern die Belastung, die auf die Halswirbelsäule wirkt. Grund: Durch die Beugung entsteht ein Hebelarm, der das Kopfgewicht für die Nackenmuskulatur viel größer erscheinen lässt.

Typische Werte aus biomechanischen Berechnungen:

Bei 0° (aufrecht): ca. 5–6 kg

Bei 15° Neigung: sind es schon ca. 12 kg Belastung

Bei 30° Neigung: wären wir schon bei ca. 18 kg Belastung

und bei 45° Neigung: dann bei ca. 22–23 kg Belastung

Die Zahlen sind Näherungen, zeigen aber: Schon moderate Beugung vervielfacht die Last, die auf Nacken und obere Wirbelsäule wirkt.Und das geschieht Stunde um Stunde. Tag für Tag. Jahr für Jahr.

Die Folge? Deine Muskeln verkrampfen. Sie gehen in eine Dauerspannung über. Und irgendwann merkst du das nicht mal mehr – denn dein Körper hat sich daran gewöhnt. Das nennt man in der Fachwelt „sensomotorische Amnesie". Klingt kompliziert, bedeutet aber einfach: Dein Gehirn hat vergessen, wie sich entspannte Muskeln anfühlen.

Und dann kommt noch etwas hinzu: Stress.

Stress ist so ein bisschen der Universalschuldige unserer Zeit, nicht wahr? Aber in diesem Fall ist er tatsächlich relevant. Denn wenn wir gestresst sind, schüttet unser Körper Stresshormone aus – Cortisol, Adrenalin und andere. Und diese Hormone haben eine klare Botschaft an unsere Muskulatur: „Anspannen! Kampf oder Flucht!"

Das Problem ist nur: Wir kämpfen nicht mehr gegen Säbelzahntiger. Wir kämpfen gegen E-Mails, Deadlines, Familienstress, finanzielle Sorgen. Und vor denen können wir nicht weglaufen. Also bleibt die Spannung. Sie wird chronisch.

Und jetzt wird es interessant: Jeder Mensch reagiert auf Stress anders. Manche ziehen die Schultern hoch – die bekommen dann Nackenverspannungen und Kopfschmerzen. Andere beißen die Zähne zusammen – die leiden unter Kieferproblemen. Und wieder andere spannen die Kehlkopf- und Halsmuskulatur an. Die bekommen dann – richtig – das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben.

Es hilft übrigens sehr, sich die eigenen Muster bewusst zu machen. Beobachte dich mal selbst: Was machst du, wenn du gestresst bist? Wo spannst du an? Das ist der erste Schritt zur Veränderung.

Okay, jetzt haben wir verstanden, wie die Verspannungen entstehen. Aber was hat das mit Stillem Reflux zu tun?

Hier wird es richtig spannend, denn es gibt eine wechselseitige Beziehung. Ein Teufelskreis, wenn man so will.

Lass mich das erklären: Stiller Reflux entsteht, wenn gasförmiger Mageninhalt – also Säure und vor allem Pepsin, das Verdauungsenzym – nach oben steigt. Nicht nur in die Speiseröhre, wie beim klassischen Reflux, sondern bis in den Kehlkopf, den Rachen, manchmal sogar bis in die Nase.

Und wo kommt nun die vorgebeugte Haltung ins Spiel? Durch das viele Sitzen und die zusammengesackte Position atmen wir immer weniger mit dem Zwerchfell und immer mehr mit dem Brustkorb. Das Zwerchfell wird schwächer. Und mit ihm wird auch die sogenannte Hiatus-Schlinge schwächer.

Die Hiatus-Schlinge ist Teil des unteren Speiseröhrenschließmuskels – also genau der Muskel, der verhindern soll, dass Mageninhalt nach oben steigt. Wenn dieser Muskel schwach ist, haben wir ein Problem. Der Magen kann durch die Öffnung im Zwerchfell nach oben rutschen, der Speiseröhrenschließmuskel wird eingeklemmt, und plötzlich funktioniert der ganze Verschlussmechanismus nicht mehr richtig.

Gleichzeitig entstehen durch die vorgebeugte Haltung Zugkräfte auf die Speiseröhre. Alles wird zusammengequetscht. Die Organe im Hals- und Brustbereich haben kaum noch Platz. Und in diesem eingeengten Raum beginnt der gasförmige Reflux sein Unwesen zu treiben..

Aber es geht noch weiter: Wenn der Stille Reflux auf die empfindlichen Schleimhäute im Kehlkopfbereich trifft, löst er dort Entzündungen aus. Und der Körper reagiert auf diese Entzündungen reflexhaft – mit Muskelanspannung. Die Muskeln im Kehlkopf verkrampfen unwillkürlich, als würden sie versuchen, den Bereich zu schützen.

Siehst du, was hier passiert? Die Fehlhaltung begünstigt den Reflux. Der Reflux führt zu Entzündungen. Die Entzündungen führen zu Muskelverkrampfungen. Und die Muskelverkrampfungen verstärken wiederum die gesamte Problematik.

Ein perfekter Teufelskreis. Oder, um es positiver zu formulieren: Ein Kreislauf mit vielen Ansatzpunkten für Verbesserungen!

Und genau hier kommen wir zu einem der belastendsten Symptome: dem Kloßgefühl. Oder, wie es Mediziner gerne nennen: dem Globusgefühl oder Globus-Syndrom.

Ich muss ehrlich sagen: Wenn es einen Oscar für Symptome gäbe, die Menschen zur Verzweiflung bringen können, würde das Kloßgefühl ihn bekommen. Es ist nicht lebensbedrohlich, nein. Aber es ist unglaublich präsent und belastend.

Dieses Gefühl, als hätte man ständig etwas im Hals stecken. Als könne man nicht richtig schlucken. Als sei alles zu eng. Manche beschreiben es auch, als hätten sie einen Strick um den Hals oder als würde jemand leicht zudrücken.

Gehst du damit zum Arzt – oft ist es der HNO-Arzt – wird untersucht. Rachen, Nase, Kehlkopf. Und manchmal findet sich tatsächlich nichts Auffälliges. Oder nur leichte Entzündungen. Und dann kommt nicht selten die Diagnose: „Globus hystericus" oder „Globus nervosus".

Das klingt, als wäre man ein Fall für den Psychiater. Als würde man sich das alles nur einbilden. Und das ist – ehrlich gesagt – ein bisschen wie ein Schlag ins Gesicht, oder? Du hast echte Beschwerden, du leidest, und dann wird dir suggeriert, es sei alles psychosomatisch.

Aber lass mich dir etwas sagen: Du bildest dir das nicht ein! Jeder Physiotherapeut, der etwas von seinem Handwerk versteht, wird dir bestätigen: Menschen mit dieser Diagnose haben ausnahmslos verhärtete und verkrampfte Muskeln im Halsbereich. Und verhärtete Muskeln und Faszien erzeugen nun mal Druck und Engegefühle.

Natürlich spielt die Psyche eine Rolle – aber nicht so, wie viele denken. Es ist nicht so, dass du dir den Kloß einbildest. Sondern: Je mehr du darüber nachdenkst und dir Sorgen machst, desto mehr Spannung entsteht. Das ist ganz normal. Wer Angst hat, der spannt an. Wer unsicher ist, was diese Beschwerden bedeuten, der fixiert sich darauf.

Und hier wird es richtig wichtig: Je besser du verstehst, was in deinem Körper passiert, desto weniger bedrohlich wirken die Symptome. Psychologen nennen das „Selbstwirksamkeitsüberzeugung". Das bedeutet: Du glaubst daran, dass du selbst etwas tun kannst, um die Situation zu verbessern. Du bist nicht hilflos ausgeliefert.

Und genau darum geht es heute: Dir zu zeigen, dass du nicht hilflos bist. Dass es Erklärungen gibt. Und dass es Wege aus diesem Teufelskreis gibt.

Lass mich kurz erklären, was im Hals eigentlich passiert. Der Kehlkopf sitzt etwa in der Mitte des Halses. Bei Männern sieht man ihn als Adamsapfel. Er ist wie ein kurzes Rohr, das auf der Luftröhre sitzt. Er hat ein Deckelchen, das sich öffnet und schließt. Seine Wände bestehen aus Knorpel – das macht ihn elastisch und stabil zugleich. Innen und außen hat er zahlreiche Muskeln und Bindegewebe.

Der Kehlkopf hat zwei wichtige Funktionen: Er ist die Eingangspforte zur Luftröhre und er bildet unsere Stimme. Hier trennen sich die Wege von Nahrung und Atemluft.

Wenn nun die Muskeln rund um den Kehlkopf dauerhaft verspannt sind, dann fühlt sich alles verkrampft an. Schlucken wird anstrengend. Sprechen wird mühsam. Atmen kann sich schwierig anfühlen – auch wenn objektiv genug Luft durchkommt.

Und wenn dann noch der Stille Reflux dazukommt und die Schleimhäute reizt, schwellen diese an. Mehr Gewebe auf engem Raum. Das verstärkt das Kloßgefühl noch weiter.

So, jetzt wird es praktisch. Denn die gute Nachricht ist: Du bist dem Ganzen nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt viele Ansatzpunkte, an denen du arbeiten kannst.

Erstens: Bewusstsein für deine Körperhaltung

Nimm deinen Arbeitsplatz unter die Lupe. Wie sitzt du? Ist dein Bildschirm auf Augenhöhe? Oder starrst du ständig nach unten? Viele Menschen arbeiten am Laptop – und das ist Gift für die Halsmuskulatur, weil der Bildschirm viel zu niedrig ist.

Meine Empfehlung: Besorge dir einen externen Monitor oder zumindest einen Laptopständer. Deine Augen sollten auf die obere Kante des Bildschirms schauen, nicht nach unten.

Und das Smartphone? Ja, ich weiß, wir können nicht ohne. Aber versuche, es auf Augenhöhe zu halten, statt den Kopf zu senken. Das fühlt sich am Anfang komisch an – aber dein Nacken wird es dir danken.

Zweitens: Bewegung und Ausgleich

Wenn du viel sitzt und dabei nach vorne gebeugt bist, brauchst du einen Ausgleich. Und zwar regelmäßig. Nicht nur am Wochenende, sondern jeden Tag.

Ideal sind Aktivitäten, die dich aufrichten: Yoga, Tanzen, Spaziergänge, Joggen. Alles, was dich aus der zusammengesackten Haltung herausholt.

Ein kleiner Scherz am Rande: Wenn du Radfahren magst, achte auf die Art des Fahrrads. Auf einem gemütlichen Hollandrad sitzt du aufrecht – wunderbar! Auf einem Rennrad hingegen beugst du dich extrem nach vorne. Das kann die Verspannungen noch verschlimmern. Also, falls du ein Rennrad hast und dich wunderst, warum dein Kloßgefühl schlimmer wird: Vielleicht ist es Zeit für ein entspannteres Modell!

Drittens: Gezielte Entspannungstechniken

Progressive Muskelentspannung, Yoga, Atemübungen – all das kann helfen, die Dauerspannung in den Muskeln zu lösen. Besonders wirksam sind Methoden wie Hanna-Somatics oder die Pohl-Therapie, die speziell darauf ausgelegt sind, vergessene Muskelanspannungen wieder ins Bewusstsein zu holen und zu lösen.

Viertens: Die Atmung

Hier wird es besonders wichtig: Viele Menschen mit Stillem Reflux und Halsbeschwerden atmen paradox. Das heißt, sie ziehen beim Einatmen den Bauch ein, statt ihn rauszulassen. Das ist genau umgekehrt zur normalen Atmung!

Wenn du den Bauch beim Einatmen einziehst, hat die Lunge keinen Platz, sich auszudehnen. Die Atmung wird flach, das Zwerchfell wird schwächer, und der ganze Teufelskreis setzt sich fort.

Übe bewusst, beim Einatmen den Bauch rauszulassen. Lege eine Hand auf den Bauch und spüre, wie er sich beim Einatmen hebt. Das fühlt sich am Anfang vielleicht seltsam an, besonders wenn du jahrelang anders geatmet hast. Aber es lohnt sich!

Fünftens: Summen, Brummen, Singen

Das klingt vielleicht überraschend, aber es hilft wirklich: Summen, Brummen und Singen befreien den Kehlkopf. Die Vibrationen lockern die verspannten Muskeln. Also, beim Autofahren, unter der Dusche, beim Kochen – summe vor dich hin! Niemand muss dich hören, wenn es dir unangenehm ist. Aber dein Kehlkopf wird es lieben.

Sechstens: Selbstmassage und Bindegewebsbehandlung

Du kannst auch selbst Hand anlegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Massiere deinen Hals sanft, taste nach verhärteten Stellen, arbeite dich vorsichtig in das Gewebe hinein.

Wenn das alleine nicht reicht, kann ein Physiotherapeut helfen, der sich mit Faszienarbeit und Bindegewebsbehandlung auskennt. Besonders die Pohl-Therapie hat hier gute Erfolge gezeigt.

Bevor ich zum Abschluss komme, noch ein kurzer Hinweis: Manchmal kommt zu den verspannten Halsmuskeln und dem Stillen Reflux noch ein weiteres Phänomen hinzu – das Post-Nasal-Drip-Syndrom. Das bedeutet, dass vermehrt zäher Schleim aus den oberen Atemwegen nach hinten in den Rachen läuft.

Das kann durch den Stillen Reflux selbst ausgelöst werden – die Entzündungen in den Schleimhäuten führen zu mehr Schleimproduktion. Aber es kann auch andere Ursachen haben: Allergien, Nasennebenhöhlenentzündungen, anatomische Besonderheiten.

Wenn du zusätzlich zum Kloßgefühl ständig das Gefühl hast, verschleimt zu sein, dich räuspern zu müssen oder morgens mit einem brennenden, verschleimten Hals aufzuwachen, dann lohnt es sich, auch diese Spur zu verfolgen. Ein guter HNO-Arzt und gegebenenfalls ein Allergologe können hier weiterhelfen.

So, wir sind am Ende dieser Folge angekommen. Lass mich zusammenfassen:

Verspannte Halsmuskeln und Stiller Reflux sind keine getrennten Probleme. Sie hängen eng zusammen und verstärken sich gegenseitig. Unsere moderne Lebensweise mit viel Sitzen, Fehlhaltungen und Stress führt zu Dauerverspannungen. Diese schwächen unter anderem das Zwerchfell und damit den unteren Speiseröhrenschließmuskel. Der Stille Reflux kann entstehen. Und wenn er auf die empfindlichen Schleimhäute im Kehlkopfbereich trifft, löst er dort Entzündungen und reflexhafte Muskelverkrampfungen aus.

Das Resultat: ein Kloßgefühl, Schluckbeschwerden, Engegefühle, Heiserkeit und viele andere belastende Symptome.

Aber – und das ist die wichtigste Botschaft heute – du bist dem nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt viele Ansatzpunkte. Arbeite an deiner Körperhaltung. Bewege dich. Entspanne gezielt. Achte auf deine Atmung. Und sei geduldig mit dir selbst.

Veränderungen brauchen Zeit. Muskeln, die jahrelang verspannt waren, entspannen sich nicht über Nacht. Aber sie können sich entspannen. Schritt für Schritt. Und mit jedem Schritt gewinnst du ein Stück Lebensqualität zurück.

Du hast mehr Macht über deine Gesundheit, als du vielleicht denkst. Nutze sie. Werde aktiv. Übernimm die Verantwortung. Und vor allem: Gib nicht auf.Wenn dich dieses Thema umtreibt, dann ist mein Tool Zwerchfell und Entspannung etwas für dich. hier gibt es erprobte, sanfte Übungen um Halsmuskulatur, Kifer und Zwerchfell zu lockern, zu entspannen und deine Atmung zu normalisieren. Den Link dazu und zu anderen Angeboten von uns findest du in den Shownotes.In der nächsten Folge wird es dann um die Kiefermuskulatur und den Grund für deine neue Aufbissschiene gehen und natürlich darum, was das alles mit stillen Reflux zu tun hat.

Ich danke dir fürs Zuhören und wünsche dir alles Gute auf deinem Weg heraus aus dem Stillen Reflux. Bis zur nächsten Folge – und denk dran: Hebe den Kopf, atme tief durch und sei gut zu dir selbst!

Deine Andy

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